Von Parteiströmungen, Geklüngel und Jugendvotum

Nele Werner über die Landesvertreter*innenversammlung

Warum sind wir politisch aktiv? Es lohnt sich, diese Frage hin und wieder zu stellen. Hoffentlich geht es darum, die Welt besser zu machen und um den Spaß an der Sache. Manchmal kann man aber auch den Eindruck gewinnen, dass es nur um Macht und Ressourcen geht. Im Oktober nominierte der Jugendverband seine jungen Kandidierenden für die Landtagswahl. Wir machten uns im Vorherein viele Gedanken, wie sich die Wahl gut und fair gestalten lässt. Damit es nicht nur darauf ankommt, wer wen kennt, nahmen wir uns viel Zeit fürs Kennenlernen der Kandidierenden auf dem Landesjugendplenum. Uns war im Vorhinein nicht klar, wie sehr sich Personen, die das Jugendverbandsalter bereits überschritten hatten, einmischen würden. Da wurden Gerüchte gestreut und ungefragt Wahlempfehlungen gegeben.

Eigentlich sollte es doch ganz einfach sein. Wer über 27 Jahre alt ist, hält sich aus dieser Nominierung raus. Klar interessieren sich alle dafür, wer gewählt werden wird. Und das ist gut so. Es ist einer der Wege, wie der Jugendverband auf die Partei Einfluss nehmen kann. Das der Landesverband uns diese Möglichkeit gibt, ist nicht selbstverständlich. Das Jugendvotum ist kein Selbstzweck. Wenn es uns um die Sache geht, dann ist es im Interesse der Partei, dass der Jugendverband sie beeinflusst, die Fraktion verjüngt und Themen setzt. Andersherum sollte die Partei keinen Einfluss auf den Jugendverband ausüben. Sonst wird die Linksjugend zur Kaderschmiede oder zum Instrument, um Interessen durchzusetzen.

Leider scheint es, dass Macht, Geld und Ressourcen den einen oder anderen seine politischen Ideale vergessen lassen. Das Umfeld verurteilt und thematisiert das dann manchmal, oder trägt es mit. Die Verantwortung wird weggeschoben oder das Ergebnis stellt einen insgeheim zufrieden. Oft wird auch angeführt, alle anderen würden ja auch klüngeln und taktisch wählen. Und wenn man selbst das nicht auch tut, hat man ja schon verloren. Aber was nützt es zu gewinnen, wenn man unterwegs verlernt hat, sich an die Grundsätze zu halten, die mensch durchzusetzen wollte. Erst recht in linken Kreisen sollte Politik kein Machtkampf sein. Wen es um Personenwahlen geht, lässt sich die Einmischung auch als Beleidigung verstehen. Haltet ihr eure Kandidat_innen nicht für kompetent genug, um ohne euch zu gewinnen?

Der Jugendverband konnte letztendlich trotz allem eine faire Wahl durchführen. Es bleibt die Enttäuschung, dass Parteiakteur_innen uns dabei Steine in den Weg legten. Auf der Landesvertreter_innenversammlung wurden unsere beiden aussichtsreichen jungen Kandidierenden Anna Gorskih und Paul Hösler auf Platz 7 und 22 gewählt. Letzterer rutschte dabei gegenüber dem vorherigen Platz auf dem Vorschlag nach hinten. Je komplexer das Wahlverfahren, desto unklarer die Motive. Dennoch bleibt das Gefühl, dass das Jugendvotum auch hier nicht so wichtig war wie es sein sollte. Jedenfalls nicht wichtiger als die eigenen strömungspolitischen Erwägungen. Auch unsere anderen jungen Kandidierenden Jenny Trültzsch (Platz 29), Jakob Müschen (Platz 36), Pauline Backemeier (Platz 37) und Daniel Peisker (Platz 38) wurden gewählt und freuen sich auf einen spannenden Wahlkampf.

Zum Schluss möchte ich gerne noch auf die Darstellung eingehen, in der Landesliste spiegele sich der „Jugendwahn“ der Partei wider, die mich als 24-Jährige (auch keine Jugendliche mehr!) ehrlich gesagt zum Lachen bringt. Auf der Liste, die gewählt wurde, befinden sich auf den aussichtsreichen Plätzen drei Kandidaten unter 30. Die jüngsten, Paul und Anna, sind mit 27 Jahren auch nicht gerade Teenager. Fast ein Drittel der sächsischen Bevölkerung war 2015 allerdings unter 30. Da ist noch Luft nach oben auf der Landesliste. Auch wenn die meisten jungen Menschen ja gar nicht wählen dürfen.