„Wir alle sollten uns als Verfassungspatrioten verstehen!“

Von Simone Hock

So formulierte es der ehemalige Pfarrer der Leipziger Thomaskirche Christian Wolff in seinem Impulsreferat zur Eröffnung der diesjährigen Tage für Demokratie und Toleranz in der Region Zwickau, die nun schon zum 17. Mal stattfinden. Die Veranstaltung fand in der Zwickauer Lutherkirche statt.

In seiner Rede spann Christian Wolff den Bogen von der Befreiung des KZ Dachau vor 74 Jahren, in dem auch der evangelische Pfarrer Niemöller von 1937 bis 145 inhaftiert war, bis zur Gegenwart. Niemöller hatte nach der Befreiung erklärt, er hätte in den Jahren von 1933 bis 1937 auf der Kanzel stehen und die Gemeinde warnen müssen vor dem, was da passiert. Er habe das nicht getan und sei deshalb mitschuldig. Und so sei es auch heute: Jeder, der die Augen verschließt und den Kopf in den Sand steckt, mache sich am Erstarken der Rechtsnationalisten mitschuldig. Insgesamt wartete Christian Wolff mit einer guten Analyse der Ursachen bis hin zur aktuellen Situation auf und machte deutlich: Das Problem der AfD ist nicht, dass es sie gibt, sondern dass so viele sie wählen. Und die Wähler seien nicht Opfer, sondern Täter.

Auch in den Grußworten von Oberbürgermeisterin Pia Findeiß, Landrat Scheurer und Generalintendent Pepel wurde deutlich, wie wichtig es ist, zu handeln und wie wichtig die Güter unserer Demokratie sind. Deutlich wurde aber auch, dass vorhandene Freiheitsrechte schwerer zu verteidigen als neu zu erringen sind. Ein Videoeinspieler, produziert von Jugendlichen der Stadt, zeigte zudem eklatantes Unwissen über die Freiheitsrechte in unserem Land. Einige konnten nicht ein einziges Beispiel nennen, welche Freiheiten es hierzulande gibt. Es ist erschreckend und zeigt, wie wichtig politische Bildung in allen Altersstufen ist!