Der schleichende Ausverkauf von Meißens Glanz – zum Aus von Meissen Keramik

Von Tilo Hellmann

Meißner Porzellan genießt Weltruhm, nicht minder bekannt ist Meißen für seine Keramikindustrie. Früher galt es als Statussymbol, einen Ofen mit Meißner Kacheln zu Hause zu haben. Und diese stehen immer noch und werden gehegt und gepflegt, wie das „Meissner“ im Schrank.

Wie der Presse zu entnehmen war, verlässt nun nach der „Neue Porzellanmanufaktur Meissen – NPM“ GmbH mit „Meissen Keramik“ innerhalb kürzester Zeit ein weiterer wichtiger Produzent die Stadt. Was bleibt also vom einstigen Glanz der Porzellan- und Keramikstadt Meißen?

Der Schritt des polnischen Mutterkonzerns Cersanit ist nicht nur ein Schock für die Mitarbeiter*innen des Werkes, sondern auch für die ganze Region. Was wir hier erleben müssen, ist eine Spätfolge des Ausverkaufs unserer Sächsischen Wirtschaft nach der Wiedervereinigung. Einst weltbekannte Standorte wurden häppchenweise verscherbelt und landeten wie in diesem Fall dann irgendwann bei ausländischen Investoren. Die Werksschließung ist ein Resultat dessen, dass es weder die Stadt noch der Freistaat wirklich vermocht haben, steuernd einzugreifen. Sich mit Lorbeeren zu schmücken ist leicht, man muss aber auch etwas dafür tun. Meißen in Verbindung mit Porzellan und Keramik birgt ein riesiges Potenzial. Sachsen hätte damit werben und sich nicht als Land der Lohndrücker profilieren sollen. Die Belegschaft, aber vor allem auch der Wirtschaftsstandort stehen nun im wahrsten Sinne des Wortes vor einem Scherbenhaufen – in der sächsischen Politik wird aber wieder niemand dafür Verantwortung übernehmen.

In der Wirtschaftspolitik muss es zu einer Kehrtwende kommen! Das Wohlergehen einer ganzen Region darf nicht kurzfristiger Gewinnmaximierung geopfert werden. Vor allem die CDU stellt sich als die Wirtschaftsversteherpartei dar, hat aber durch kurzsichtige kapitalhörige Politik mehr Unternehmen auf dem Gewissen als es andere je vermocht hätten.