2. Rosa Luxemburg Konferenz in Österreich

Von Peter Porsch

Sie begann am Samstag, dem 1. März am Nachmittag in den Räumen der Volkshochschule Hietzing in Wien, diese 2. Rosa Luxemburg Konferenz in Österreich. Sie begann mit „Rote Lieder gegen den grauen Alltag“ (Betty Rossa & Kapelle). Gekommen waren viele, sehr viele, die in Österreich links verortet sind oder an linkem Gedankengut und der dazugehörigen Praxis Interesse zeigen. Und das sind sehr Verschiedene. Die lange Liste der Unterstützer*innen zeigte das. Der erste Tag endete mit „Lieder für den (täglichen) (Klassen)kampf“ (Free Willy).

Ein wenig international war die Konferenz auch. Die Zeitung „Junge Welt“ war da und der Verein Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V. konnte seine Publikationsreihe zu Rosa Luxemburg präsentieren und Exemplare verkaufen. Das Interesse war groß. Als Vorsitzender des Vereins war ich auch als Teilnehmer zu einer der beiden Podiumsdiskussionen geladen – Problematik: „Ist Europa noch zu retten“. Die Diskussion zeigte eine vielfach nuancierte und nicht zuletzt auch polarisierte Meinungsvielfalt zu linkem Blick auf und gewünschtem Umgang mit der EU. Dass hinter der Polarisierung oft nur eine Vereinseitigung einer dialektisch-widersprüchlichen Realität des Gegenstandes steht, wurde aber auch offenkundig. Insofern traf wahrscheinlich der Vertreter von attac mit dem Untertitel eines seiner Bücher diese Widersprüchlichkeit der Situation ganz gut: „Warum die EU nicht zu retten und ein Austritt keine Lösung ist.“ Die Debatten auf dem Europaparteitag von DIE LINKE stießen auf großes Interesse sowie auch die Arbeit der der Partei DIE LINKE nahestehenden Stiftungen politischer Bildung in Deutschland. Die Frage, wie man rechten Bestrebungen der beabsichtigten Zerstörung zumindest des EU-Parlaments und der Rückkehr zum Nationalstaat und zum Nationalismus entgegentritt, war allgegenwärtig, wenn man auch nicht verschweigen darf, dass einzelne Linke nicht nur die ersatzlose Abschaffung der EU forderten, sondern auch dem Nationalstaat bessere Chancen im Kampf gegen das Bank- und Monopolkapital einräumten als einer von Grund auf veränderten EU.

Der zweite Tag begann eindrucksvoll mit einer Theater-Matinée: „Geheimsache Rosa Luxemburg“. Die Schauspielerin Anita Zieher pflanzte Texten von Rosa-Luxemburg in szenischer Darstellung Leben, Anschaulichkeit und Verstehen ein, begleitet von der sensiblen Percussion Ingeborg Oberkanins’. Der Tag konnte nicht mehr misslingen und wurde auf der Arbeitsebene mit einer aktivierenden Podiumsdiskussion zum Thema „Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht“ abgeschlossen. Den gesellschaftlichen Ausklang brachten wiederum Musik und die „After-Conference-Party“. Der Ertrag des Ganzen war für einen Einzelnen gar nicht zu erfassen; 32 Workshops und Präsentationen zu den unterschiedlichsten Themen und Projekten füllten die beiden Tage. Diverse linke Verlage und Initiativen zeigten ihre Produkte und Arbeitsergebnisse. Unzählige Bücher, Broschüren, Flyer und Resolutionen fanden Aufmerksamkeit und Abnehmer*innen. Der Einladung zu folgen war jedoch ein Gewinn.