Was die Inklusionsbeauftragte denkt

Von Kathleen Noack

In unserer Partei wollen wir eine Politik für Menschen mit Behinderungen, die auf den Inhalten der UN-Behindertenrechtskonvention basiert. Die Betroffenen sollen als vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft anerkannt werden und uneingeschränkt teilhaben können. Wir wollen gesamtgesellschaftlich das Bewusstsein für Menschen mit Behinderungen zum Positiven verändern, auch um das Selbstbewusstsein und die Selbstbestimmung aller behinderter Menschen zu stärken.

Bis heute werden sie durch Gegenstände, Einrichtungen und leider auch durch die Einstellung anderer Menschen behindert. Ich wünsche mir, dass in einer umfassenden Barrierefreiheit auch unser Denken und Handeln barrierefrei ist. In einer inklusiven Gesellschaft gibt es keine definierte Normalität, sondern normal allein ist die Tatsache, dass Unterschiede vorhanden sind. Diese sind eine Bereicherung.

Meinen Beitrag hierzu leiste ich seit Mai 2018 ehrenamtlich innerhalb der Landespartei als Inklusionsbeauftragte. Ich bin 37 Jahre alt und lebe in Zschopau. Mit Beeinträchtigungen und Inklusion setze ich mich täglich auseinander, da ich hauptberuflich in der Stadtverwaltung Chemnitz im Sozialamt in der Abteilung Soziale Leistungen, Sachgebiet Schwerbehindertenrecht/Landesblindengeld arbeite. Als medizinische Fachangestellte und Dialyseschwester mit Berufserfahrung und Fortbildungen in verschiedenen Bereichen der medizinischen Versorgung habe ich auch aus dieser praktischen Perspektive einen deutlichen Einblick in die Probleme und Sorgen von Menschen mit Behinderungen.

Meine Aufgabe als Inklusionsbeauftragte ist es, in unserer Landespartei das Teilhabekonzept so gut wie möglich umzusetzen. So entwickelte ich z. B. Checklisten für barrierefreie Veranstaltungen (stehen auf unserer Website zur Verfügung), besichtigte mögliche Tagungsobjekte und bot den Kreis- und Stadtverbänden das Gespräch an.

Neben dem Landesvorstand unterstützt mich Birger Höhn aus Dresden. Birger ist engagierter Genosse, arbeitet als Peerberater bei der EUTB-Teilhabeberatung in Dresden, schreibt Bücher, ist Inklusionsbotschafter der Interessengemeinschaft Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. und er ist Autist. Er vertritt wie ich die Meinung, dass Menschen mit Beeinträchtigungen in die Mitte der Gesellschaft gehören. Dafür braucht es mutige Schritte und den Willen des Gesetzgebers.

Zum Beispiel in der Kindertagesbetreuung, Schule, Berufsausbildung und im Studium, im 1. und 2. Arbeitsmarkt. Aber auch daneben, in der Freizeit und danach, also im Alter, muss in Sachen Inklusion vieles geändert und auf den Weg gebracht werden. Das nützt nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch Familien mit Kinderwagen, Menschen die Deutsch lernen, Kindern mit Lernbeeinträchtigungen, älteren Menschen und Menschen, deren Mobilität vorübergehend eingeschränkt ist. Somit ist Inklusion gesamtgesellschaftlich erstrebenswert und sollte dementsprechend gewürdigt und gelebt werden.

Über 400.000 Menschen in Sachsen hatten am 31.12.2017 einen Grad der Behinderung von mindestens 50 bis 100 Prozent. Und es werden mehr. Der größte Teil leidet an einer Funktionsbeeinträchtigung von inneren Organen, gefolgt von geistig-seelischen Behinderungen (siehe www.statistik.sachsen.de). Deshalb ist es mir wichtig, dass wir unsere Wahrnehmung stärken, auch für Behinderungen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind. Deshalb habe ich zum Beispiel angeregt, dass bei unseren landesweiten Veranstaltungen im Rahmen von Barrierefreiheit ein Nachteilsausgleichsraum zur Verfügung gestellt wird. Neben barrierefreien Veranstaltungen ist es wichtig, unsere Inhalte für alle verständlich in leichter Sprache zur Verfügung zu stellen und auch in Wort, Bild und Ton möglichst barrierefrei zu sein.

Für meine restliche Zeit als Inklusionsbeauftragte in Sachsen wünsche ich mir, dass wir eine noch inklusivere Partei werden. Viele Menschen mit Behinderung haben Interesse an Politik und sind oder werden in unserer solidarischen Partei wichtige Mitstreiter*innen, die durch ihre Wünsche, Meinungen und Erfahrungen wertvolle Beiträge leisten, um Dinge auf den Weg zu bringen, die die Lebensbedingungen aller Menschen mit Behinderung verbessern.