Letzte Etappe vor der Kriegsentfesselung durch Hitlerdeutschland

Winfried Steffen erinnert an die vollständige Zerschlagung der Tschechoslowakei vor 80 Jahren

Mit der Unterzeichnung des Münchener Abkommens durch die Regierungschefs Deutschlands, Italiens, Großbritanniens und Frankreichs am 30. September 1938 hatten die Westmächte die Tschechoslowakei, entstanden nach dem Untergang der Habsburgermonarchie, der Willkür der Hitlerregierung ausgeliefert.

Der slowakische Regierungschef Tiso reiste nach Berlin und verkündete am 14. März 1939 auf Geheiß Hitlers die Unabhängigkeit der Slowakei – nichts weiter als dessen Vasallenstaat. Noch in der gleichen Nacht erteilte Hitler seinen Truppen den Befehl zum Einmarsch in den Restteil Tschechiens. Zuvor hatte der Präsident der Tschechoslowakei, E. Hacha, unter üblem Druck der Hitlerregierung die Kapitulationsurkunde unterschrieben. Göring hatte Hacha gegenüber geäußert, es wäre doch sehr schade, wenn er seiner Luftwaffe die Bombardierung der Goldenen Stadt Prag befehlen müsste. Hacha wurde aufgefordert, die Regierung anzuweisen, den einrückenden deutschen Truppen keinen Widerstand zu leisten. Die Regierung erklärte sich dazu bereit. Die tschechischen Truppen sollten nicht kämpfen, sondern sich auflösen, was auch umgehend erfolgte. Schon am nächsten Tag traf Hitler auf dem Hradschin ein, dem alten Schloss der böhmischen Könige und deutschen Kaiser.

Am 16. März wurde das „Protektorat Böhmen und Mähren“ proklamiert und der einstige Reichsaußenminister Constantin Freiherr von Neurath zu dessen „Reichsprotektor“ ernannt. Damit wurden Böhmen und Mähren dem Deutschen Reich angegliedert und dessen Rüstungs- und Aufmarschpotential beträchtlich erweitert. Während die Regierung der UdSSR scharf gegen die Annexion der Tschechoslowakei durch Hitlerdeutschland protestierte, duldeten Großbritannien und Frankreich als Mitunterzeichner des Münchener Abkommens Hitlers Vorgehen.

Die britische Regierung stellte in einem Kommunique fest, dass es nunmehr keinen tschechoslowakischen Staat mehr gebe und jedwede Garantien gegenstandslos seien. Nach der Besetzung Tschechiens durch deutsche Truppen erzwang Hitler von der Regierung Litauens die Abtretung des nach dem Ersten Weltkrieg angegliederten deutschen Memellandes – vollzogen am 23. März 1939. Damit war das Aufmarschgebiet für den Überfall auf Polen komplett.