Und jetzt erst recht!

In Rosenthal-Bielatal kandidiert ein ganzes Haus für DIE LINKE. Von Anja Oehm, stellvertretende Kreisvorsitzende

Die Wahlen stehen vor der Tür und gerade in unserem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge schickt sich die AfD an, den Kreistag, die Stadt- und Gemeinderäte mehrheitlich zu erobern. Wie der Wolf im Schafspelz agieren sie derzeit noch. Mit ihnen werde alles besser, sozialer, gerechter (für Deutsche natürlich), liest man in ihren Aufrufen. Insgeheim aber kommt die eine oder andere Drohgebärde – wartet nur, wenn wir hier was zu sagen haben, dann …

Ja, was dann? Noch mehr Lehrer denunzieren? Schülern, die streiken, einen Vermerk ins Zeugnis verpassen? Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus abschaffen? Die Grenzen wieder dicht machen (vor allem hier, wo viele beim Nachbarn tanken oder einkaufen, eine Super-Idee!)? Heimattümelei, Fremdenhass und Abschottung? Allen, die sich für eine bunte Sächsische Schweiz mit Weltoffenheit und Toleranz einsetzen, den Kampf ansagen? In die Ämter und Redaktionen der Presse eindringen und Amtsträger und Journalisten unter Druck setzen? Es ist zu befürchten, dass all das eintreten könnte. Bei der Bundestagswahl erhielt die AfD in Rosenthal-Bielatal eines ihrer höchsten Ergebnisse.

Wir haben einmal in die Ortschronik unserer Gemeinde geschaut: „Bereits bei der Reichstagswahl 1932 konnten die Nationalsozialisten die Stimmenmehrheit im Ort erringen. … In das Gemeindeparlament zogen nur Mitglieder der Nazipartei ein, begleitet von einer Gleichschaltung des politischen und kulturellen Lebens. Schon bald ließen die braunen Machthaber ihre Maske fallen. Aufgrund von Denunziationen wurden schon 1933 Rosenthaler und Bielataler Einwohner von der SA verhaftet und im berüchtigten KZ Hohnstein interniert.“ (Herausgeber Gemeinde Rosenthal-Bielatal. 2013, Seite 15). Dieser Tage waren wir in Hohnstein und haben dort der Opfer gedacht.

Einschüchtern lassen gilt nicht! 2019 ist nicht 1933. Aber wir sind gewarnt und hellwach. Jetzt erst recht, haben wir gesagt, uns zusammengetan mit Freunden, die noch nie in der Politik waren. Wir werden mit charismatischen, geachteten Menschen als Kandidaten für den Landtag, Kreistag und Gemeinderat antreten. Bei uns in Rosenthal-Bielatal treten wir als Hausgemeinschaft an. „Wir wollen uns nicht vorwerfen müssen, nichts dagegen getan zu haben!“, sagen Beate, Katrin, Thomas und Anja.