Fokus Eritrea – Informationsveranstaltung ohne Wissensvermittlung im Hygienemuseum Dresden

von Ralf Richter

„PEGIDA-Tag“ in Dresden, 7. März. „Während draußen PEGIDA demonstriert, lernen wir hier etwas über Eritrea“, begrüßt ein Moderator und Zeit-Journalist, der noch nie in Eritrea war, die Veranstaltungsteilnehmer im Deutschen Hygienemuseum. Gekommen sind vor allem jene, die durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit die Migranten unterstützen. Später wird ein Eriträer aus Frankfurt am Main, der dort als Koordinator in der Flüchtlingshilfe arbeitet davon sprechen, dass er das Wort „Flüchtling“ oder „Refugee“ nicht verwendet – er spricht lieber von „Neuankömmlingen“.

Tatsächlich ist das Wissen über Afrika generell und Ost-Afrika im Speziellen bei den meisten Flüchtlingshelfern nicht wesentlich größer als bei den PEGIDA-Demonstranten – nur die emotionale Grundkonsistenz ist eine andere. Es wäre also wirklich höchste Zeit, nicht nur Informationen zu schütten sondern Wissen zu vermitteln. Doch wieder bleibt es – die Veranstaltung wird von der Stadt Dresden gefördert – nur bei ersterem. Zweifellos ist die Veranstaltung interessant: Es gibt einen Film zu sehen, man erfährt das Radrennfahren ein Volkssport ist, den ein italienischer General der Kolonialarmee verbreitet hat in Eritrea weshalb viele Eriträer (durchweg Männer scheint es allerdings – das darf zum Internationalen Frauentag nicht unerwähnt bleiben) begeisterte Radsportfans sind. In Frankfurt nun hat sich ein Team AfriQa gebildet vor allen Dingen aus Eriträern, die den Unterstützern der Neuankömmlinge mit einer Tour Frankfurt am Main – Fulda – Erfurt – Leipzig – Dresden – Berlin einmal Danke sagen wollen – besucht werden sollen verschiedene Initiativen an den einzelnen Etappenpunkten. Start wird im Herbst sein.

Der eriträische Flüchtlingskoodinator aus Frankfurt am Main nennt sich Hans – nach einem „Helden“, der aus Dresden stammt! Wer ist dieser Held? Er heißt Hans Conrad Schumann und dürfte den meisten vollkommen unbekannt sein, aber sein Bild ist sehr vielen vertraut: Zu den Ausstellungen, die an den Mauerbau 1961 erinnern sieht man stets ein Foto eines flüchtenden Soldaten, der bei der Flucht seine Maschinenpistole wegwirft. Dieser Mann, so erzählt es Zeradi Kiros Abraham, sei für ihn ein großes Vorbild, ein Held – da er aus einer „unhaltbaren Position“ als Soldat eines „Unrechtsregimes“ flüchtet und dabei alles wagt, eben den Sprung in ein glückliches Leben. „Solche Menschen sind Helden!“ Flucht als Problemlösung! Wenn Du also mit einer Sache nicht zu Rande kommst, dann hau‘ einfach ab – dann bist Du nicht nur Deine Probleme los sondern zugleich noch ein „Held“. Das Publikum lauscht ergriffen, denkt es aber auch nach?

Eritrea, das erfährt man nicht bei „Fokus Eritrea“ – wo immer wieder auf den 30jährigen Unabhängigkeitskampf Eritreas seit 1961 hingewiesen wird – ist nicht zuletzt ein Produkt westlicher Politik. Schließlich ging es darum das sozialistische Äthiopien (1974 – 1991) im kalten Krieg zu terrorisieren und so etwas gelingt immer am besten in dem man Separatisten bewaffnet – strategisch liegt Eritrea sehr günstig mit seiner langen Seegrenze. Die Unabhängigkeit dieses Gebietes schnürt Äthiopien die Lebensadern ab, das für seinen Export und Import auf Häfen angewiesen ist. Die Dresdner Flüchtlingshelfer werden dumm gehalten in Beziehung auf Eriträa. Sie sollen ja helfen ohne zu denken – das ist fast wie beim National Service in Eritrea: Auch dort arbeiten große Teile der Bevölkerung für ein Taschengeld. Niemand verhungert in Eritrea (Ganz im Gegensatz zu Äthiopien – doch die Hungernden dort sind zu schwach und zu arm um sich eine tausende Euro kostende Flucht leisten zu können, ihnen helfen weder internationale Gemeinschaft noch deutsche FlüchtlingshelferInnen…) und die Menschen führen ein bescheidenes einfaches Leben – aber wer sich mit den Schleppern auf den Weg macht, will einfach ein besseres. So wie einst Hans aus Dresden. Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland gab es schon zu den Eriträern, als in der DDR jede Menge äthiopischer Studenten aus Adis Abbeba studierten. Wer das Eritrea-Problem lösen will sollte niemals Äthiopien – das nebenbei bemerkt die meisten eriträischen Flüchtlinge aufnimmt – aus dem Blick verlieren. Eine Konföderation beider Staaten, Tigrei leben in Äthiopien wie in Eritrea, würde beiden Staaten helfen – stattdessen unterstützt Eritrea die Al Shabab -Milizen in Somalia, weil sie auch Äthiopien bekämpfen. Das Geld dafür kommt zum großen Teil aus Europa, weil alle Eriträer angehalten sind 3 Prozent ihres Gehaltes „Aufbausteuer“ für ihr Land zu entrichten. Wer das nicht tut, bringt seine Familie in Eritrea in Schwierigkeiten – im übrigen scheint die Situation in Eritrea nicht so extrem zu sein, sonst müsste man die Eriträer nicht darauf hinweisen, dass sie während ihres Asylbewerberverfahrens möglichst nicht nach Eritrea fliegen sollten, weil das die Glaubwürdigkeit ihrer Verfolgung doch etwas konterkariert. Kein Wort fällt auch über das alljährliche Eriträer-Treffen in Gießen, wo sich Regierungsleute und Regierungsgegner gegenüber stehen.

Wer mehr über Eritrea erfahren will, jenseits der Gräuelgeschichten, die über das Land verbreitet werden, sollte einmal den Beitrag der Eritrea-Kennerin Martina Lennartz in der Gießener Zeitung lesen unter der Überschrift: „Gibt es Eritrea zwei Mal?

Direkte Informationen aus Eritrea – übrigens im ausgezeichneten Deutsch gibt es auf www.raimoq.com hieraus ein Beitrag „Entwarnung aus Eritrea

Wer noch genauer wissen will, wie die Migration aus Ertrea durch Weltbank, Amnesty International oder Human Rights Watch politisiert wird kommt nicht ohne Englischkenntnisse aus – und kann sich dafür vom African Media Network ein Video anschauen: Politicizing Eritrean Migration