Lernen, lernen und nochmals lernen!?

von Lars Kleba

„Wir brauchen mehr Politische Bildung!“, ist eine häufige Forderung in unserer Partei. „Wir haben ein sehr gutes Angebot!“ ist mindestens meine Antwort darauf – sei es durch die Bildungsträger*innen im LINKEN Umfeld, aber auch durch die Partei und unseren Jugendverband. Das erfolgreiche Mentoringprogramm, das jährlich stattfindende Pfingstcamp und die auch für 2016 geplante Sommerakademie sind nur drei große Projekte, die erfolgreich durchgeführt und ständig weiter entwickelt werden. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen wirbt bereits jetzt mit einem Ganzjahresprogramm, und das Kommunalpolitische Forum hat einen Jahresplan aufgestellt. Termine der beiden Bildungsträger*innen stehen ja auch immer in dieser Zeitung.

Doch was heißt für uns politische Bildung? Wir sollten immer wieder unsere Konzepte selbst hinterfragen und gegebenenfalls weiterentwickeln. Bildung sollte, wie es der Historiker Howard Zinn mal formulierte, „gefährlich“ sein. Sie sollte auf die Kritik und Überwindung von Herrschaft zielen und zwar sowohl gesamtgesellschaftlich als auch im Bildungsprozess selbst.

Hier sei auch an einen Ort in Baden-Württemberg erinnert, der sich Beutelsbach nennt. Mit dem sogenannten „Beutelsbacher Konsens“ wurden Grundlagen der politischen Bildung erarbeitet, die auch unser Maßstab sein sollten. Menschen dürfen – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen nicht überrumpelt und damit an der „Gewinnung eines selbständigen Urteils“ gehindert werden. Hier genau verläuft die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktrination. Indoktrination aber ist unvereinbar mit unserem Ansatz politischer Bildung in einer demokratischen Gesellschaft und der – rundum akzeptierten – Zielvorstellung von der Mündigkeit des Menschen.

Die machtvolle Belehrung im Namen der Aufklärung steht einem Lernen gegenüber, das Selbstermächtigungsräume schaffen sollte. So etwas wie das Parteilehrjahr in der DDR will doch heute niemand mehr. Oder? Aber wir müssen fragen, ob nicht solche Traditionen in unserer Bildungspraxis fortwirken.

Unsere Angebote richten sich an alle, die sich kritisch-konstruktiv mit ihrer eigenen Politik auseinandersetzen wollen und die ihren Bildungsprozess auch als Organisierungsprozess verstehen wollen, um individuelle und soziale Emanzipation zu verbinden. Es gibt keinen Kanon, kein fertiges Wissen, das nur noch zu vermitteln ist. Lernziele werden bei uns zusammen mit den Teilnehmenden entwickelt.

Folgt aus der richtigen Theorie notwendigerweise auch eine erfolgreiche linke Praxis? Die neue Unübersichtlichkeit und Komplexität der Welt machen eine solche Position fragwürdig. Wir brauchen Bildung, die einen Beitrag zu einer linken Wissenskonstruktion leistet, und zwar über eine Arbeit an exemplarischen Fällen und über die Vermittlung entsprechender Methoden.

Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen. Diese – ebenfalls in Beutelsbach formulierte – Forderung ist mit der vorgenannten aufs engste verknüpft. Denn wenn unterschiedliche Standpunkte unter den Tisch fallen, Optionen unterschlagen werden, Alternativen unerörtert bleiben, ist der Weg zur Indoktrination beschritten.

Unsere Bildungsträger*nnen können und sollten hier Knotenpunkte sein. Ich werbe für die Nutzung der bestehenden Angebote.

Lars Kleba ist Mitglied im Landesvorstand und dort für politische Bildung verantwortlich