Über Asylbewerber und andere ganz normale Dinge

von Mike Hirsch

Ich lebe und arbeite in Glauchau und das auch gerne, denn Glauchau ist eine schöne Stadt, und, was noch mehr zählt: Glauchau ist eine gute Stadt. Wie ich darauf komme? Auch hier gibt es seit Mai 2014 ein Asylbewerberheim. Auch hier gab es Gesprächsrunden in Kirchen zwischen Vertretern der lokalen Politik, allen voran unserem Oberbürgermeister, und Einwohnern von Glauchau. Es wurde offen geredet, Ängste und Sorgen konnten zerstreut werden.

Aus einer anfänglichen Handvoll Asylsuchender wurden mit der Zeit ca. 120. Sie spielen Fußball auf einem Bolzplatz ganz in der Nähe meines Arbeitsplatzes, manchmal sogar mit deutschen Jugendlichen. Alles ganz normal. Sie gehen in den nahe gelegenen Supermarkt, kaufen Gemüse, Fleisch oder Süßigkeiten für ihre Kinder, so wie wir auch. Alles ganz normal. Im Sommer saßen sie bei schönem Wetter oft auf den Stufen vor ihrer Unterkunft und unterhielten sich und lachten so wie andere Menschen, so wie wir. Keiner stößt sich daran, dass auch sie Smartphones besitzen und Markenkleidung tragen, denn Geld und Geschäfte gibt es auch in Syrien oder Afghanistan oder anderswo.

Warum das in Glauchau so gut funktioniert? Es liegt an der Aufgeklärtheit der Bürger und ihrer Bereitschaft, Toleranz zu leben. Und daran, dass unser Stadtrat partei- und fraktionsübergreifend arbeitet. Und da die Glauchauer gefühlt mit Nazis nichts am Hut haben, sitzen diese auch nicht in unserem Stadtparlament. Wir sehen auch nicht weg, sondern stellen uns entgegen.

Ich weiß, in Glauchau leben per se keine besseren Menschen, aber sie verstecken sich nicht und sind mit ihrer Ablehnung gegen rechte Parolen und Gewalt in der Mehrheit. Deswegen können sich Ausländer bei uns wohl und sicher fühlen, denn für sie ist genug Platz in unserer Stadt, in meiner Stadt. Nazis hingegen fühlen sich hier nicht wohl und das ist gut so.

Ich wünschte, es würde überall eine solche gefühlte Normalität herrschen. Aber dazu bedarf es der Bereitschaft der Bürger und Bürgerinnen. Sie zu wecken ist unser aller Aufgabe. Wer klein beigibt vor Intoleranz und ewig gestrigem Gedankengut, hat schon verloren. Wer sich dem jedoch entgegenstellt, hat die Chance, dieses Land ein bisschen zu verbessern. Vielleicht wird ja dann das Zusammenleben zwischen Deutschen und Asylbewerbern (fast) völlig und ganz normal.