Massenschlägereien unter Asylbewerbern – der Anfang einer neuen Entwicklung

von Pieter Potgieter

Am heutigen Donnerstag erreicht eine Meldung aus Suhl die Beachtung der Medien bundesweit: Eine neue Massenschlägerei in einem Asylbewerberheim hat stattgefunden. Angeblich hat jemand ein paar Seiten aus einem Koran gerissen. Ergebnis: 15 Verletzte darunter vier Polizisten.

Der Spiegel-Online erklärt uns nun endlich was es mit der Flüchtlingswelle auf sich hat – ein umfangreiches Multimedia-Spezial findet man auf der Homepage des Nachrichtenmagazins. Interessant sind die Flüchtlingsursachen. Nachdem festgestellt wird, dass die meisten Flüchtlinge heute aus Syrien kommen, benennt man auch gleich die Schuldigen an der Massenflucht: Es sind der Islamische Staat und Assad. Komisch ist nur, dass Vater Assad und Sohn Assad jahrzehntelang Syrien regieren konnten, ohne dass es eine Flüchtlingswelle gab – ganz offensichtlich war es nie das Anliegen der sozialistischen Baath-Partei, die Bevölkerung aus dem Land zu treiben. Jetzt aber auf einmal soll es so sein. Auch den Islamischen Staat gibt es erst seit einem Jahr – heute allerdings regiert er ein Gebiet von der Fläche Großbritanniens mit 6 Millionen Einwohnern. Es werden Steuern erhoben und die Wehrpflicht besteht für Männer/Jugendliche ab 16 Jahren.

Die US-Einmischungspolitik in Syrien, Irak,Afghanistan und Libyen führt heute in Suhl zu verletzten Polizisten. Diese Politik hat durch die Marginalisierung der Sunniten im Irak zur Gründung des Islamischen Staates geführt und ihr Ziel war auch eine „Regime-Change“ in Damaskus. Explosionen gab es vorerst nur in Istanbul und in Kairo – von der unklaren Lage in Thailand abgesehen, die andere Ursachen haben wird. Was ist aber, wenn diese „Massenschlägereien“ aus Glaubensgründen nun in Europa Konjunktur haben? In Deutschland erfahren wir heute etwas über Suhl – was aber ist in Skopje, Marseille, Göteborg, Ostrava, Györ, Palermo, Wroclaw oder Aarhus passiert? Würden wir es erfahren, wenn dort ebenfalls 15 Menschen bei Massenschlägereien verletzt worden sind gestern Nacht durch „unsere Medien“? Mit Sicherheit nicht. Und doch dürfen wir davon ausgehen, dass sich die Bilder und Meldungen überall gleichen – bei uns kapriziert man sich aktuell auf die Geschehnisse zwischen Dover und Calais, wenn es um die EU-Flüchtlingsproblematik geht – gelegentlich gibt es noch Bilder aus Mazedonien und von den griechischen Inseln wie Kos. Das alles zusammen genommen ist aber weniger als die Spitze des Eisberges.

Schon heute stehen viele Viertel von Paris und London, insbesondere die Afrikaner- und Araberviertel Nacht für Nacht an der Schwelle zu einem kleinen Bürgerkrieg. Tausende Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien sehen keine Zukunft in der EU für sich. Es handelt sich dabei wohlgemerkt um „unsere“ arabisch- und afrikanischstämmigen langjährigen EU-Bürger. Diese Tatsache hat dazu geführt, dass einige türkischstämmige Deutsche, ebenso wie pakistanischstämmige Briten oder algerischstämmige Franzosen sich sogar dem IS anschließen . „Unser“ NATO-Partner Türkei hat dafür gesorgt, dass pausenlos IS-Sympathisanten aus der EU nach Syrien reisen durften, um das Feuer dort anzufachen und neue Flüchtlingsströme auszulösen.

Die drei großen Länder der EU Großbritannien, Frankreich und Deutschland haben sich in den letzten Jahrzehnten als unfähig erwiesen, Einwanderer aus fremden Kulturen zu integrieren – überall gab es zwar auch „Vorzeige-Türken“, „Vorzeige-Araber“ mit denen sich die Mehrheitsgesellschaft einreden konnte, dass es doch alles ganz gut geklappt hat. Die Masse aber blieb auf der Strecke. Fehlenden Schulabschlüsse, Berufsausbildungen führen dazu, dass es die Mehrheit eben nicht aus den Banlieus geschafft hat. Der Migrantenanteil an den Gefängnisinsassen in Frankreich, Großbritannien aber auch Deutschland ist extrem hoch. Ob es in dieser Situation besonders klug ist, tausende Neu-Einwanderer den Banlieus zuzuführen? Wie werden sich Städte und Regionen in Deutschland verändern, wie bestimmte Stadtteile? Nach französischem, britischem oder gar US-amerikanischem Vorbild? Die Weißen dort, die Schwarzen da, die Araber anderswo? Hat die EU jemals ein Konzept gehabt für die Abschaffung der Banlieus?

Im Kapitalismus ist es wichtig, dass die Massen unten gegeneinander ausgespielt werden. Streikten die weißen Arbeiter den Nordstaaten früher, fuhr man mit Busladungen Schwarze aus dem Süden als Streikbrecher in die Fabriken im Norden. Eine „Integration“ wird es allenfalls auf dem Papier und in den Sonntagsreden geben. Es liegt im Interesse der Kapitaleigner, die Habenichtse gegeneinander auszuspielen. Das ist überall auf der Welt so. Dies hilft, die Löhne unten zu halten und jegliche Organisation der Arbeitnehmerschaft im Keim zu ersticken und ist also äußerst praktisch. Wer sich über die Auslegung des Koran streitet, für den ist der Mindestlohn nebensächlich. Deshalb lässt man alles erst einmal laufen und schaut zu, wenn die Fetzen fliegen. Polizisten und die „einfachen Leute“ müssen es ausbaden – es handelt sich nicht um eine verfehlte Politik. Die Flüchtlingsströme waren absehbar. Bei einem Bevölkerungswachstum von drei Prozent wie südlich des Mittelmeeres üblich, müsste Deutschland bei gleicher Entwicklung jährlich eine Stadt wie Berlin aus dem Boden stampfen mit kompletter Infrastruktur und Arbeitsplätzen für alle. Das würde kein „erster-Welt-Staat“ schaffen. Ägypten und Tunesien müssen an dieser Herausforderung erst recht scheitern. Massenschlägereien unter Asylbewerbern wie in Suhl oder Dresden sind erst der Anfang einer neuen Entwicklung, die ganz Europa vollkommen verändern wird.