Der Blödmann vom Dienst: Dieter Nuhr

von Uwe Schaarschmidt

Der Witzeerzähler Dieter Nuhr hat einen Witz über den Islam gemacht. Vermutlich mehrere – aber das ist egal. Für einen davon ist er nun angezeigt worden, von einem, der den Witz nicht lustig fand, weil er Moslem ist. Schlimm. Vor allen Dingen deswegen, weil der Witzeerzähler Dieter Nuhr nun überall als mutiger Kabarettist herumgereicht wird, der er nun wirklich nicht ist. Vor allen Dingen kein Kabarettist, denn: Nuhr ist ein Witzeerzähler, so etwas Ähnliches wie ein Mario Barth oder Fips Asmussen, nur für die Creme der qualifizierten Hauptschulabgänger. Nuhr betreibt weder Satire, noch macht er Kabarett, sondern er ulkt vor Kameras zu guter Sendezeit herum, was in Kantinen und auf Bowlingbahnen so als Ulk durchgeht, jedoch nicht mehr ist als blödes Gelaber über eine Welt, die man nicht versteht, weil man sie nicht verstehen kann oder will.
Nun hat er sich den Islam rausgesucht, der Nuhr – eine Religion, die in Ursprung und Praxis das ist, was Religionen eben so sind: Dummes Geschwätz und das Befolgen noch dümmerer Regeln, welche aus gewieft verfassten Schriftstücken über angeblich geschehene Wunder und geschwindelte Reiseerlebnisse heiliggesprochener Angeber interpretiert werden – und die kein Mensch, der heute halbwegs bei Verstand ist, irgendwie ernst nehmen kann. Das gepriesene Gelumpe mag Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus – oder sonstwie heißen: In seiner sprachlichen Albernheit (gern als große Literatur, bezaubernde Lyrik gar gepriesen) und seiner manifesten Brutalität bei korrekter Ausführung nimmt es sich nichts. Man könnte allen Religiösen getrost einen Vogel zeigen und sagen: Klärt das für Euch am Küchentisch oder unter der Bettdecke – aber lasst mich mit dem Unfug in Ruh!
Nicht so Nuhr. Der weiß als Witzeerzähler, was die Leute gern mögen – und zwar, dass beim Witz immer einer der Blöde sein muss. Ohne Depp gibt’s kein Gelächter. Und da Nuhr als Mietmaul der christlich-abendländischen Bourgeoisie ganz genau weiß, wer der Blöde zu sein hat, nimmt er sich den Muselmann und seine Suren vor – völlig ausblendend, dass seit Christian Wulffs Heimsuchung durch Diekmann und die Restmedien des Landes die Islamhetze in Deutschland inzwischen ein hochgefährliches Ausmaß angenommen hat, vorläufig kulminierend im Kölner Hooligan-Aufmarsch des 26. September, als tausende Drecksäcke ihren Fremdenhass in die von Diekmann & Co. vorbereiteten Förmchen gießen durften.
Der Beifall, den Nuhr nun in den Kommentarspalten der Zeitungen, in Mails, Briefen und auf Facebook von den ekelhaftesten Vollpfosten der Republik dafür bekommt, dass er sich jammernd als vorauseilendes Opfer der Scharia verkauft, wird ihm nicht zu denken geben. Dafür ist Nuhr einfach zu dämlich. Und auch die Fotos brennender Moscheen und erschlagener Ausländer, jene, die es schon gibt und jene, die vielleicht noch entstehen werden, dürften an seiner Dämlichkeit nichts ändern. Dafür ist Nuhr einfach zu deutsch. Er wird es nicht gewusst haben wollen, was er da selbst mit auf den Weg gebracht hat, eines Tages, wenn man ihn darauf anspricht.