Afrika – erschreckende Armut und Mut machendes Engagement

von André Hahn
Wenn es in Deutschland kalt wird, zieht es die Politiker in den Süden – so bewertete ein Berliner Journalist den Besuch einer kleinen Delegation des Sportausschusses im Afrika, konkret in Sambia, Südafrika und Namibia. Für mich war es nach einem Jahr im Bundestag die erste Ausschussreise, und ich denke, es war wichtig, dass wir uns vor Ort ein Bild darüber gemacht haben, wie Fördermittel des Außen- und des Entwicklungshilfeministerium für Sporteinrichtungen, Projekte und Trainerausbildung im südlichen Afrika eingesetzt werden und welche Wirkung sie erzielen. In Sambia besuchten wir das Olympic Youth Development Centre, wo täglich zwischen 1200 und 1500 Jugendliche aus den ärmsten Vierteln der Hauptstadt Lusaka in den Sportarten Leichtathletik, Hockey, Schwimmen, Judo und Boxen trainieren können. Zudem übergaben wir eine Sportgeräte Spende aus Mitteln des Auswärtigen Amtes an die St.-Pauls-School. Natürlich gab es auch diverse Gespräche in Parlamenten, Ministerien und Verbänden über Sportförderung sowie Doping-Bekämpfung, und ich habe mich sehr gefreut, mit Frankie Fredericks einen der besten Sprinter der 90er Jahre kennenzulernen. Am beeindruckendsten aber waren die Begegnungen an der Basis, mit deutschen Entwicklungshelfern, Trainern, Betreuern und Projektleitern, die sich unter extrem schwierigen Umfeldbedingungen und oft bei eher symbolischer Bezahlung zum Teil über viele Jahre hinweg in Afrika engagieren.
Das tun sie zum Beispiel im Projekt AMANDLA Edufootball in Südafrika. Dort werden jede Woche ca. 4000 junge Menschen von Trainer und Sozialarbeitern betreut, die nicht nur die fußballerischen Fähigkeiten verbessern, sondern auch Anti-Agressions-Training betreiben und die Kids bei der Erledigung schulischer Hausaufgaben unterstützen. Die Erfolge sind unübersehbar: Bei fast 50 Prozent der Betreuten haben sich die schulischen Leistungen insbesondere in Mathematik und Englisch deutlich verbessert und die Gewalt- und Kriminalitätsrate im Einzugsbereich von AMANDLA ist innerhalb von zwei Jahren um 44 Prozent zurückgegangen. Als ich beim Gespräch danach fragte, wie groß denn dieser Einzugsbereich sei, war ich über die Antwort (ein Radius von rund 800 Meter um den Sportplatz) zunächst erstaunt, aber dann noch mehr verblüfft, als ich erfuhr, dass in diesem Umkreis in den kleinen Wellblechhütten sage und schreibe 60.000 Menschen leben.
Kapstadt hat etwa soviel Einwohner wie Berlin – mehr als die Hälfte davon leben in den so genannten Townships, den Armenvierteln, und nur ein ganz kleiner Teil hat die Chance, solche Angebote wie von AMANDLA nutzen.
In Namibias Hauptstadt Windhoek besuchten wir ein speziell für Mädchen eingerichtetes Fußballzentrum, wo auch die AIDS-Prävention eine wichtige Rolle spielt, nahmen an der Einweihung des neuen Gebäudes einer Basketball-Schule teil und trafen uns mit Funktionären und Athleten des Paralympischen Komitees, die unter wirklich abenteuerlichen Bedingungen arbeiten sowie trainieren müssen und dringender Hilfe bedürfen.
Bei allen sonstigen politischen Differenzen bestand parteiübergreifend große Einigkeit darüber, dass es nicht nur notwendig ist, solche Projekte mit Finanzmitteln des Bundes weiter zu unterstützen, sondern die Förderung möglichst auch noch zu verstärken.
Ich wünschte, der eingangs erwähnte Journalist wäre mitgekommen. Für touristische Ziele blieb auf der Reise nämlich keine Zeit. Aber es ist wichtig, auch hierzulande einmal über das positive Agieren der Helfer im Süden Afrikas zu berichten. Ihnen gilt ebenso meine Hochachtung wie all jenen, die im Westen des Kontinents gegen die Ebola-Epidemie ankämpfen.