Legalize it!

Robert Savianos neues Buch propagiert die Freigabe auch harter Drogen
rezensiert von Rico Schubert

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Foto: Hanser Verlag

In der großartigen Fernsehserie Breaking Bad sieht es immer spannend und spielerisch aus. Aber auch hier sieht man, dass Drogen mit viel Geld zu tun haben. Mit sehr viel Geld. Und das in jeder Hinsicht: Nicht nur die Gelder, die im Drogenhandel verdient werden, sind gigantisch. Auch der Krieg gegen die Drogen, der sogenannte war on drugs, den die USA in den 70ern ausgerufen haben, verschlingt gewaltige Summen. Seit 1971 wurden dafür mehr als 1000 Milliarden Dollar ausgegeben.
Wie Kokain die Welt beherrscht ist daher zu Recht auch der Titel von Robert Savianos neuem Buch Zero Zero Zero. Der Autor, der nach seinem Weltbestseller Gomorrha über die italienische Mafia im Untergrund unter starkem Polizeischutz leben muss, nimmt auch hier kein Blatt vor dem Mund. Sein Bericht über die absurde Gewalt, die Produktion, die Vertriebswege, die von gigantischen Drogenkartellen organisiert werden, liest sich beängstigend. Saviano beschreibt sehr detailliert den Aufstieg der mexikanischen Drogenkartelle und der kolumbianischen Kokainproduzenten, aber auch die Vermittler- und Verteilerrolle der italienischen Mafia auf dem europäischen Markt, die natürlich – wie auch schon breaking bad zeigt – auch auf dem vergleichsweise neuen Methamphetaminmarkt mitmischen.
Drogen sind nach Saviano das lukrativste Schmiermittel des Kapitalismus, da sie nicht nur vergleichsweise leicht zu transportieren sind, sondern sich auch gewaltige Margen erzielen lassen. Der mexikanische Kriminalitätsforscher und Ökonom Edgardo Buscaglia schätzt im SPIEGEL, dass es die Kartelle auf einen Gesamtjahresumsatz jenseits der 100 Milliarden Dollar bringen. Das entspricht fast zehn Prozent des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts. Nicht überraschend wird der kürzlich festgenommene Joaquín Guzmán Loera „El Chapo“, der Anführer des Sinaloa-Syndikats, seit Jahren vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ auf der Liste der Milliardäre geführt.
Saviano deckt die geheimen Geldwäschegeschäfte auf, an denen nicht nur amerikanische Banken sehr gut verdienen. Schockierend in diesem Zusammenhang, wie systemimmanent die Dollars der Drogensyndikate sind: „Die Gewinne der kriminellen Organisationen sind für manche Banken das einzige flüssige Investitionskapital, um eine Insolvenz zu vermeiden“, erklärte der Leiter des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, Antonio Maria Costa im November 2009 – auf dem ersten Höhepunkt der internationalen Finanzkrise. In einem System, das nichts so sehr braucht wie Liquidität, sind Drogengelder die einzigen, die fließen – eine unglaubliche Enthüllung.
Die radikalste, aber wohl einzige Lösung, die Saviano daher einfällt ist, ist, den Stoff zu legalisieren, um ihn zu entwerten und jenen die Macht zu nehmen, die den Anbau und den Vertrieb beherrschen. Denn eine Regelung, die diese Substanzen legalisieren würde, würde die Herstellung und den Handel den Märkten für Alkohol oder Zigaretten angleichen. Der Konsum wäre durch Besteuerung reguliert, es gäbe Alters-Untergrenzen für den Erwerb, eingeschränkte Werbung, Warnhinweise sowie Konsumverbote an bestimmten Orten. Die erzielten Steuern würden nicht nur die Haushaltsdefizite verringern, sondern womöglich sogar den Drogenkonsum eher verringern als der Krieg gegen die Drogen. Peter Praschl träumt in der WELT: „Kokain könnte zu fairen Bedingungen produziert werden, niemand müsste mehr Mehl oder zerstoßenes Glas mitschnupfen müssen, irgendwann gäbe es Bio-Zertifikate, Benotungen von Terroirs und Fachsimpeleien, aber keine Kokskartelle mehr, deren Mitglieder einander und gänzlich Unbeteiligte abschlachten.“ Eine bisweilen in Details ausufernde, dennoch überaus lohnenswerte Lektüre.

Robert Saviano: Zero Zero Zero. Wie Kokain die Welt beherrscht. Hanser Verlag, 24,90 Euro.