Seit Freitag morden EU-Friedensnobelpreisträger in Mali – jetzt mit Link zu Mali-Dossier

Ein aktueller Zwischenruf von Pieter Potgieter

Es ist so weit: Die alte Kolonialmacht zeigt seit vergangenem Freitag wieder die Muskeln. Erfahrungsgemäß zetteln europäische Sozialisten die Kriege an – es darf daran erinnert werden, dass es der rot-grünen Regierung Schröder-Fischer bedurfte, um die Bundeswehr erstmalig seit ihrer Existenz in einen Krieg zu führen – zuvor hatte nur die Wehrmacht in Serbien gewütet.

In Frankreich liegen die Dinge anders: Es ging los am 8. Mai 1945 in Algier. Als die Algerier ihrer Freude über das Weltkriegsende Ausdruck verliehen und durch Algier demonstrierten, zeigten sie dabei die algerische Fahne – ein Polizist der Kolonialmacht war erschüttert, denn die Fahne war verboten. Er feuerte in die Menge und tötete einen Demonstranten – das war der Auftakt des Algerienkrieges mit hunderttausenden Toten. Seitdem ist Neu-Frankreich permanent mörderisch aktiv – zuletzt 2011 bei der Vorbereitung des Lynchmordes am lybischen Staatschef. Heute wird in dem Land mehr gemordet, vergewaltigt und gefoltert als in den Jahrzehnten zuvor – doch die Kameras des Westens sind aus. Das Kriegsziel ist erreicht: Kein Revolutionsführer stört die alten Kolonialmächte mehr bei der Aneignung des libyschen Öls.

Drei Zahlen mögen die Aussichtslosigkeit des aktuellen französischen Unternehmens – alle „westlichen Regierungen“ spenden Beifall – verdeutlichen: Deutschland hat eine Fläche von ca. 300.000 Quadratkilometern – Mali dagegen hat 1,2 Millionen. Man kann also Deutschland vier Mal in Mali hineinstecken. Die gigantische Miltärmaschinerie mit tausenden Soldaten und Milliarden von Euros für kriegerische Zwecke, die der Westen mobilisiert, gelten der Vernichtung von sage und schreibe 2.000 islamischen Kämpfern. Die Chance, eine Nadel im Heuhaufen mit einer Bombe zu treffen ist also weit größer als die hehren Ziele, die Hollande vorgab, in Mali zu erreichen.

Bei der gestrigen Tagesschau wurde der erste Sarg eines in Mali umgekommenen französischen Soldaten in Paris gezeigt. Es ist an der Zeit, dass linke Parteien Europas ein Ende der westlichen Pressezensur fordern: Wo sind die Bilder der zerstückelten Leichen der zivilen afrikanischen Toten als Ergebnis der französischen Luftangriffe? Das Massaker der Europäer an den Afrikanern geht 2013 ungebrochen weiter. Wer innenpolitisch stagniert und nicht weiter kommt zettelt Kriege an, um „die Nation hinter sich zu bringen“, ein altes Konzept. Es funktioniert aber nur für den ersten Moment, bis das Volk langsam begreift, in welches Desaster es von den Staatslenkern geführt wird – die Milliarden Euros für die Kriegsführung bräuchte Frankreich dringendst, um die Lebensbedingungen in den Banlieus von Paris und Marseille einigermaßen erträglich zu gestalten. Doch dafür hat „der Sozialist“ kein Geld. Es wäre ja auch ein Witz zu Hause den Rassismus zu bekämpfen, während in Afrika überwiegend weiße Franzosen die schwarze Bevölkerung massakrieren. Anschließend wundert man sich in Frankreich über die Erfolge des Front National …

Im Dossier „Krieg im Wüstenstaat“ von Gerd Bedszent, der am 23. Januar in der jungen welt erschien, erhält die interessierte Leserin bzw. der interessierte Leser eine ausgezeichnete und umfassende Hintergrundberichterstattung über die Entstehung, Enwicklungen und die ökonomischen Interessen der ehemaligen Kolonialmächte – übrigens operieren in diesem Gebiet nach wie vor US-Truppen.