An die Nachgeborenen

Apfel
Foto: CC licence von Pink Sherbet Photography

Zwischentexte von Waldemar Peine zu Bertolt Brechts „An die Nachgeborenen“ (I / 3. u. 4. Vers) nach der 1. Umweltkonferenz der sächsischen LINKEN.

Es ist wahr: ich verdiene noch meinen Unterhalt
Aber glaubt mir: das ist nur ein Zufall. Nichts
Von dem, was ich tue, berechtigt mich dazu,
mich satt zu essen.

Wer diese harte Wahrheit im Gespräch äußert, kann schnell für nicht ganz dicht gehalten werden. Dabei spricht Brecht doch nur vom Sattessen. Nur vom Sattessen, nicht von all dem ganz normalen Luxus den wir uns anmaßen.
Wir benötigen mindestens einen Mittelklassewagen um zum Supermarkt zu fahren. Ganze Lebensmittelberge gleiten auf dem Transportband Richtung Kasse und werden lässig per Geldkarte bezahlt. Beobachtet eure Mitmenschen bei diesem Vorgang. Sie lassen Selbstbewusstsein und Genugtuung erkennen. Mit Stolz und Überlegenheit wird von Flugreisen nach Indien, Südafrika, Australien berichtet, vom Früstückbüfett in einem vier Sterne Hotel, von unbekannten Ritualen der Einheimischen und von dem Gefühl auf einem Elefanten zu reiten.


“Im nächsten Jahr ist aber nun ein neuer Fernseher dran.” “Unsere Enkeltochter wurde achtzehn. Wir übernehmen die Kosten der Fahrerlaubnis. Das Mädchen muss doch mobil sein”.
Alles Selbstverständlichkeiten, zwar auch in Deutschland nicht für alle, aber für viele.

Wir in Deutschland sind Teil einer globalen Wohlstandselite deren Ressourcenverschwendung das Leben auf der Erde bedroht.

Zufällig bin ich verschont.

(Wenn mein Glück aussetzt
Bin ich verloren.)

Wenn mein Glück aussetzt… Brecht dachte noch nicht an die Klimakatastrophe. Er wusste noch nicht, dass der fatale Konsum der Menschen in den hoch entwickelten Industrieländern, wenn er denn so weiter gehe wie bisher uns in eine ökologische Krise stürzt, die im Jahre 2035 einen zweiten Planeten nötig macht, um den Bedarf an Energie, Nahrung und Fläche zu decken.(1)Spätestens dann oder 50 Jahre weiter werden auch unsere Kinder und Enkelkinder nicht mehr zu den vom Glück Begünstigten gehören.

Konsum macht glücklich. Dieser Irrsinn hat Methode. Auch wenn wir nicht zu den größten Sündern gehören, ist es an der Zeit einzugestehen, dass wir auf dem Holzweg sind.

Man sagt mir. Iß und trink du! Sei froh, dass du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken , wenn
Ich es dem Hungernden entreiße, was ich esse, und
Mein Glas Wasser einem Verdursteten fehlt?
Und doch esse und trinke ich.

(1) Living Planet Reports 2008