Israel und die Linke

Ein Leserbrief von Heinz Bilan aus Leipzig in der ###-Ausgabe 06/2008

Der Vater meiner Frau und mehrere seiner Geschwister saßen zehn und mehr Jahre bei den Nazis im KZ. Ihr Stiefgroßvater – deutscher Jude – wurde in Auschwitz vergast. Ich selbst bin mit jüdischen Kindern zur Schule gegangen, pflegte und pflege bis heute z.T. enge Kontakte mit Juden. Wer die Leiden der Juden in den Jahrhunderten oder gar durch die Nazis leugnet, ist dumm und gefährlich. Und doch kann ich mich mit einigen Meinungen von Jayne-Ann Igel nicht anfreunden. Der Zwist zwischen Israel und den Palästinensern war durch die Art und Weise der „Klärung“ dieses Konfliktes nach dem 2. Weltkrieg gewollt und vorprogrammiert (imperialistische Politik). Solange die Weltgemeinschaft (einschließlich der Regierung Merkel) den USA nicht Einhalt gebietet, wird es noch lange so bleiben. Der in Israel errichtete Imperialismus, bei all seinen insbesondere historischen Besonderheiten, bleibt Imperialismus. Das gilt besonders für das Setzen auf die atomgestützte Militärpolitik.
Inwieweit in der DDR Tatsachen „unterdrückt und verschwiegen“ wurden, will ich – wenn auch unwillig – stehen lassen. Was aber den Sechs-Tage-Krieg 1967 anbetrifft, so wurde dieser in der NVA sehr gründlich analysiert. Damals wie heute lehnten wir jedoch jegliche „Präventivhandlungen“ ab. Eine Antwort auf mögliche Kriegsvorbereitung können viele Maßnahmen zur Erhöhung der Gefechtsbereitschaft der Streitkräfte und Vorbereitung des Landes sein. Das bedrohte Land kann sich an die UNO wenden. Eine Aggression aber als „Antwort“ sieht weder die UNO-Charta noch echtes linkes militärisches Gedankengut vor. In der DDR wurde, völlig zu Recht, die damalige israelische Aggression scharf verurteilt. Auch heute gehören die aggressiven Handlungen sowohl der Palästinenser als auch der Israelis verurteilt. Die Leiden beider müssen ein Ende haben. Kriege und militärische Handlungen sind ein untaugliches Mittel zur Lösung politischer oder sozialer Konflikte. Mag sein, daß es auch um Definitionen geht. Uns muß es vor allem um die Beendigung des unseligen Konflikts mit politischen Mitteln gehen – und das ist nur möglich, wenn die USA und die EU dazu gezwungen werden – durch politischen Druck – auch der Linken.