Schrubber und Kehrschaufel: Eingetreten und nun?

BILDSie sind willkommen: Neumitglieder in der LINKEN. Doch niemand tritt ein, nur um Beitrag zu zahlen. Wer sich zur Mitarbeit meldet, bekommt auch schon mal gar keine Antwort. Marco Götze zum Umgang mit Neumitgliedern

»Im schlimmsten Falle steht niemand auf, winkt niemand heran, ist kein Platz frei…«

Erfreulicherweise sind 2007 eine Menge Leute in DIE LINKE eingetreten. Das Wort „Eintritt“ illustriert, worum es für viele Neue geht: Die Klinke ist betätigt, die Tür geöffnet, der erste Schritt hinein in einen bisher unbekannten Raum namens Partei ist gemacht. Und nun kann vieles passieren. Es sitzen Leute am Tisch und unterhalten sich über Dinge, die man als Eingetretener oft nicht versteht, ja, die bisweilen eigenartig wirken. Es hängt vielleicht ein Willkommensschild im Raum oder es geht jemand auf Eingetretene zu, begrüßt sie und bietet einen Platz in der Runde an. Im schlimmsten Falle steht niemand auf, winkt niemand heran, ist kein Platz frei, man fühlt sich nicht zugehörig oder es holt einen niemand von der Tür ab und man bleibt darin stehen. Möglicherweise ist der Raum zeitweise leer, dunkel, unübersichtlich und Eingetretene wissen nicht, was sie nun außerhalb von Sitzungszeiten tun sollen, wenn stundenlang keine/r kommt und mit ihnen redet. Oder es reden welche sofort auf Eingetretene ein und geben ihnen „Schrubber und Kehrschaufel“ in die Hand, als ob das üblich oder gar selbstverständlich wäre für Neuangekommene.

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»Möglicherweise ist der Raum zeitweise leer…«

Idealerweise gelingt es, Eingetretene in einem Raum zu begrüßen, der nicht nur aufgeräumt, strukturiert und gleichzeitig ansprechend aussieht, sondern das auch ist. Sie werden freundlich gefragt, wer sie sind und wie sie zur Partei gefunden haben. Andere Personen in diesem neuen Raum werden vorgestellt. Es wird gesagt, was sie tun und woran sie arbeiten, es wird erläutert und zusammengefasst, worüber gerade geredet wird. Es wird ein freier Platz angeboten, weil genügend Stühle am Tisch frei sind und es wird gefragt, ob sich Eingetretene in der einen oder anderen Ecke des Raumes vorstellen könnten mitzuarbeiten. Noch wird vieles verwirrend sein, bald aber können sich die Eingetretenen darin souverän bewegen. Nicht wenig von all dem ist nötig, um die Eingetretenen nicht wieder enttäuscht aus dem Raum hinausgehen zu lassen.

»…häufig haben sich die Pforten nicht geöffnet…«

Natürlich bedarf es auch des Engagements der Neumitglieder, nicht nur den Weg in die Partei sondern auch den in ihr zu gehen. Für viele von uns, welche die Zugänge in das Parteilabyrinth vor einiger Zeit selbst suchen mussten, war dies nicht einfach und häufig haben sich die Pforten nicht geöffnet. Für so manche Tür gab es zunächst keine Schlüssel, kein auftuendes Zauberwort, keinen Rammbock zum Aufbrechen.

Aber: Bei aller aufkommenden Enttäuschung sollte man keinesfalls locker lassen, das Rätsel Partei für sich zu erschließen. Und mit der Zeit gibt es für jeden und jede Wege und Möglichkeiten, das scheinbare Gewirr aus Zuständigkeiten, Zusammenhängen, Gängen und Plätzen, Räumen und Treppen in seiner Grundstruktur zu begreifen und es für sich begehbar und von innen nutzbar zu machen. Das lohnt sich allemal. Ganz sicher können wir nicht alle Hürden des Neuen und Komplizierten und Differenzierten an dieser wie eben jeder Partei abschaffen, aber wir können dafür sorgen, dass es keine zusätzlichen Hindernisse, keine erklärungslosen Zusammenhänge und kein gehütetes unergründbares Herrschaftswissen mehr gibt. Und so könnten wir erreichen, dass es neue Mitglieder nicht mehr so schwer haben wie es noch der Fall ist.

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