macht#netze

Austausch von Erfahrungswissen, weniger Frontalsituationen, Abbau von Dominanzverhalten: BUKO30 zu Ostern in Leipzig. Ein Überblick von Magdalene Schlenker

LINKS! 4/2007
30 Jahre gibt es sie nun schon – die Bundeskoordination Internationalismus und ihren jährlichen Kongress. Doch von Routine kann keine Rede sein: Wie in jedem Jahr bereitet eine bunt gemischte Vorbereitungsgruppe aus erfahrenen und „neuen“ AktivistInnen einen 4-tägigen Kongress für bis zu 1000 TeilnehmerInnen vor. Das diesjährige Motto macht#netze nimmt Bezug auf den kommenden G8-Protest und Fragen der Organisierung emanzipatorischer Ansätze.

Die BUKO ist im Osten den wenigsten ein Begriff: Darum zu Beginn ein Blick in deren Selbstverständnis:

Die Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) ist ein unabhängiger Dachverband, dem über 130 Dritte-Welt-Gruppen, entwicklungspolitische Organisationen, internationalistische Initiativen, Solidaritätsgruppen, Läden, Kampagnen und Zeitschriftenprojekte angehören. Der Ursprung lag in den Solidaritätsbewegungen mit den Befreiungskämpfen im Süden. (www.buko.info)

Bis 2004 war übrigens der Evangelische Entwicklungsdienst finanzieller Hauptträger der „Bundeskoordination entwicklungspolitischer Aktionsgruppen“, wie die BUKO früher hieß. Heute wirkt sich die fehlende institutionelle Förderung motivierend und destabilisierend zugleich aus (Spenden an VzF e.V./BUKO, Ev. Darlehensgenossenschaft Kiel, Kontonummer 234 389, Bankleitzahl 210602 37, Verwendungszweck BUKO braucht Kohle).

Ein bewegender Kongress

Folgende Knotenpunkte haben sich in der Vorbereitung durch die bundesweiten Arbeitsgruppen ergeben: Migration, Antimilitarismus, Geschlecht, Energie, Privatisierung, Widerstand und „Anschlussfähigkeiten nach Rechts“.

Die Flüchtlingsinitiative Brandenburg wird u.a. die Probleme deutscher Asylpolitik und rassistischer Diskriminierung thematisieren. Von der Leipziger „Aktionsgemeinschaft Flughafen natofrei“ wird z.B. ein Informations- und Erfahrungsaustausch mit irischen antimilitaristischen AktivistInnen und die Mobilisierung zum Ostersonntagsmarsch auf den Nato-Flughafen Leipzig-Halle auch auf dem Kongress organisiert (Beginn 12 Uhr, Rathaus Schkeuditz).

Die Energiepolitiken der G8-Staaten werden von der Energie-Gruppe unter die Lupe genommen und die AG „du bist bertelsmann“ wird Privatisierungsprozesse am Beispiel Bertelsmann in über zehn Workshops beleuchten:

Sozial, modern und fortschrittlich verkleidet, hat die Bertelsmann-Stiftung im Prozess der Ökonomisierung mit Hilfe ihrer Netzwerke, Strategien, finanziellen Möglichkeiten und Medienpräsenz eine unvergleichbare Machtstellung und präsentiert sich als Vorzeige-Modell der Akteure neoliberaler Umstrukturierungen.

Bilanzen und Perspektiven feministischer Politik, „Ethnisierung von Sexismus“, kritische Weiß-Seins-Perspektiven u.a. werden aus der AG Geschlecht – Macht – Politik thematisiert. Widerständige Praxis ist ein weiteres Arbeitsfeld, dem sich vielfältig gewidmet werden soll  „von Blockade-Training und Straßentheater bis Telefon-Sicherheit und Häuserkampf. Rassismus in der deutschen Gesellschaft, Kolonialismus in Leipzig, Dominanzabbau in linken Gruppen u.v.m.“ um die 100 Veranstaltungen zeichnen sich ab.

Hintergrund und Rahmen

Die Cross-Over-Konferenz 2002 stand Pate für das doppelsinnige „macht#netze“. Herrschaftsverhältnisse wie z.B. Kapitalismus, Rassismus und Sexismus, aber auch die genannten Themenfelder können nicht losgelöst voneinander betrachtet werden. Nicht zuletzt wegen der Agenda-Setzung G8-kritischer Bewegungen gab es den Wunsch nach einem Zusammendenken der politischen Felder, ebenso wie danach, dass das Streben nach einer freien Gesellschaft methodisch umgesetzt wird: mehr Austausch von Erfahrungswissen, weniger Frontalsituationen, Abbau von Dominanzverhalten u.ä.

Am (Kar)Freitag gibt es inhaltliche Einführungsangebote: auf einem Podium geben u.a. Sven Giegold (attac) und Christine Müller (Arbeitsstelle Eine Welt der Evangelischen-Lutherischen Landeskirche Sachsen) Rück- und Ausblicke zur Organisierungsfrage, Institutionalisierungsprozesse, die Rolle linker Parteien, der BUKO wie auch der globalisierungskritischen Bewegungen sollen bilanziert und kritisch hinterfragt werden. Am Samstag finden zahlreiche workshops und eine öffentliche Abendveranstaltung zum Thema linke Nahost-Diskurse und Antisemitismus statt. Am Oster-(marsch-) Sonntag ist nach der „Phase des Zusammendenkens“ Zeit, aktiv zu werden (z.B. am Flughafen) und „Netze zu machen“. Abends steigt dann die Abschlussparty und Montag die offizielle Abschlussveranstaltung zur Frage, was während der bisherigen G8-Mobilisierung gut bzw. schlecht lief, wie es nach Heiligendamm weitergehen soll und welche Aussichten linker Internationalismus in den kommenden Jahren hat.

Welches Gesicht der Kongress dann haben wird, werden die Teilnehmenden zum Glück aber selbst in der Hand bzw. im Kopf haben. Macht mit, macht’s nach, macht Netze!

30. Bundeskongress Internationalismus vom 6. bis zum 9. April 2007, Campus Jahnallee, Leipzig, www.buko.info, leipzig[at]buko.info, Büro im StuRa: 0341/9737875, Liebigstrasse 27 a, 04103 Leipzig

Lies auch: Klare Zeichen auf dem 30. BuKo-Kongress, Bericht in LINKS! 5/2007

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