Frauenreise nach Israel/Palästina

Monika Knoche, MdB, und stellvertretende Fraktionsvorsitzende DIE LINKE beschreibt Erfahrungen bei einer Reise im Nahen Osten.

Links! 3/2007
Im Dezember 2006 reiste eine fünfköpfige Frauendelegation der Fraktion DIE LINKE. für eine Woche in den Nahen Osten. Ziel dieser Reise war der politische Austausch mit Frauenfriedensorganisationen in Israel und Palästina. Die auf der Reise gesammelten Informationen sollten sowohl der besseren umfassenden Einschätzung der politischen Lage vor Ort dienen, als auch in einen anhaltenden Kommunikationsprozess mit den dortigen Organisationen münden. Außerdem war von Beginn an geplant, es nicht bei einer einmaligen Aktivität zu belassen, sondern aus derartigen Delegationsreisen auch zukünftig einen Gewinn für die linke Außenpolitik zu ziehen.

Die Bundestagsabgeordneten Inge Höger, Monika Knoche und Heike Hänsel traten unterstützt durch Silke Veth von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Frauenreferentin der Fraktion Jutta Kühl die Reise nach Jerusalem, Haifa, Ramallah und Tel Aviv an.

Auf der Tagesordnung standen u.a. Treffen mit herausragenden Frauenpersönlichkeiten, die in sich in verschiedenen Organisationen wie etwa der „International Women’s Commission for a Just and Sustainable Palestinian-Israel Peace“ (IWC), dem „Palestinian Legal Council“ (PLC) oder auch der „Coalition of Women for Peace“ engagieren. Sie alle treten für eine gerechte Zwei-Staatenlösung in der Israel-Palästina ein.

In unseren Gesprächen spielte die mangelnde Umsetzung der UN-Resolution 1325 stets eine sehr große Rolle. Diese sieht eigentlich eine aktive Einbeziehung von Frauen in den Friedensprozess vor. Obgleich die israelischen und palästinensischen Frauenfriedensgruppen einen klaren analytischen Blick auf den andauernden Palästina-Israel Konflikt haben, werden sie kaum berücksichtigt.
Ihr umfassendes Wissen ist jedoch für ein Vorankommen des Friedensprozesses unverzichtbar. Schon zur genauen Beschreibung des bestehenden Konfliktes in Gesellschaft und Politik muss die Frauenperspektive einbezogen sein.

Wie die Frauenorganisationen, die wir dort trafen, im einzelnen auch heißen mögen, sie alle eint, dass sie die Augen nicht verschließen vor den unterschiedlichen Auswirkungen auf die innergesellschaftlichen Schichten, die Geschlechter und die Ethnien, die in diesen traumatischen Verhältnissen leben.

Für die gesamte Delegation war es sehr beeindruckend zu sehen, wie viele Frauenfriedensgruppen über Jahre und Jahrzehnte hinweg unbeirrbar an der Idee des Friedens festhalten und sich gegen die sinnlose Gewalt auf beiden Seiten einsetzen. Leider finden sie kaum öffentliches Gehör. So war unsere Reise mit der Hoffnung verbunden, ein wenig zu einer Aufwertung und Anerkennung der Leistung dieser Frauengruppen beizutragen.

Trotz des konzentrierten Programms während der kurzen Reise konnten in vielen Bereichen wichtige Erkenntnisse und Kontakte gesammelt werden. Das Frauenplenum der Bundestagsfraktion DIE LINKE. wird auf dieser Basis noch dieses Jahr zu einer Frauenfriedenskonferenz nach Berlin einladen. Die überfällige Einbeziehung der besagten Frauengruppen birgt große Chancen für die Wiederbelebung des Friedensprozesses im Nahen Osten – davon konnten wir uns selbst eindrucksvoll überzeugen.