Tag: Rezension

Die schützende Hand

Die Realität als Stoff für die Fiktion: wenn der NSU-Komplex zum Krimi wird von Volkmar Wölk Es ist bei mir geradezu zum Ritual geworden. Greife ich zu einem neu eingetroffenen Buch, dann fällt der Blick – genau in dieser Reihenfolge – zunächst auf das Inhaltsverzeichnis, dann auf die Liste der verwendeten Literatur und dann folgt




Odyssee zu den Quellen der Bucharin-Forschung

von Wulf Skaun Wladislaw Hedeler legt einzigartige Biographie des kommunistischen Revolutionärs und Theoretikers vor Jour fixe, der unkonventionelle Gesprächskreis am Leipziger Sitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen, ist binnen weniger Monate zu einer angesagten Adresse geworden. Mit brennend oder latent aktuellen Themen locken seine Begründer, die einheimischen Historiker Klaus Kinner und Manfred Neuhaus, Debattierfreudige scharenweise in die




Griechenlandkrise: Kapitalismus und Krimi

von Volkmar Wölk „Bei einem Treffen, das ich mit Herrn Schäuble hatte, sagte er mir, ich hätte das Vertrauen der deutschen Regierung verloren. Und ich sagte ihm: Ich hatte es nie, ich bin Mitglied einer Regierung der radikalen Linken“. Für ihn, Yanis Varoufakis, sei etwas anderes wichtiger: „Aber ich habe das Vertrauen des griechischen Volkes“.




„Akademisierungswahn“ – Nida-Rümelin rechnet ab

von Ralf Richter Julian Nida-Rümelin meldet sich zu Wort. Der Kulturstaatsminister der Schröder-Fischer-Regierung hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben, das in der edition Körber-Stiftung erschienen ist. Auf 256 Seiten analysiert Rümelin die Kursrichtung aktueller Bildungspolitik. Dabei sagt der Titel „Der Akademisierungswahn – Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung“ schon viel aus. Freilich, der aus einer Künstlerfamilie




Sitzen zwei auf dem Blauen Sofa

Eine Rückschau auf die Leipziger Buchmesse mit Hör-, Seh- und Lesetipps von Ralf Richter Wer reinkommt in die Glashalle bei der Leipziger Buchmesse, steuert unweigerlich auf „Das Blaue Sofa“ zu. Hier werden von ZDF und Deutschlandradio Kultur die renommiertesten Autoren interviewt. Am „Messe-Freitag“ waren es u. a. Gysi und Schorlemmer. Bei der Vorstellung ihres gemeinsamen




Ruandas Sturz in den Genozid

von Andreas Haupt Im eben erst vergangenen Jahr 2014 dominierte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor einhundert Jahren unseren Erinnerungshorizont. Der rwandische Genozid, der vor 20 Jahren stattfand und bei dem fast eine Million Menschen binnen 100 Tagen getötet wurde, blieb dagegen weitgehend unbeachtet. Dieser Lücke des Gedenkens hat sich der Verlag Das Wunderhorn mit




Eine Kritik der Zeitverhältnisse

von Andreas Haupt Diese Besprechung bemüht sich um den Essayband „Beschleunigung und Entfremdung“ des Jenaer Soziologen Hartmut Rosa, der auf der Basis seiner intensiven Beschäftigung mit dem Phänomen der Beschleunigung in der Moderne einen neuen Zugang zum Konzept der Entfremdung entwickelt. Dabei geht es dem Autor, wie schon der Untertitel „Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner




Nicht utopisch: Ein Buch des Netzwerkes der Weltreporter

von Ralf Richter „Völlig utopisch – 17 Beispiele einer besseren Welt“ steht auf dem blau-weiß-orangenen Cover, auf dem ein Radler oder eine Radlerin mit einem speziellen Dänen-Rad im Transportkasten eine Ziege mit Grünzeug kutschiert, während hinten auf dem Gepäckträger Bücher gestapelt sind, auf denen eine Vase mit Blume umher schwankt – dazu gibt es ein




Auf Nahrungs- und Sprachbeschaffung

von Andreas Haupt Der Künstler und Dichter Schuldt hat mal wieder publiziert. Da er dies nur sehr gelegentlich tut, ist der erneut erschienene Band In Togo, dunkel eine wunderbare Gelegenheit, den originellen Autor kennenzulernen. Schuldt, der seinen Vornamen gerne verschwinden lässt, beschäftigt sich in seinen Texten mit Inhalt und Form von Sprache, für ihn ein




Der Lumpenhund in der Revolution

von Andreas Haupt Das Experiment einer besseren Gesellschaft begann mit einer Revolution, deren weitere Entwicklungen in den frühen 20er Jahren von der Gruppe der Poputschiki begleitet wurden. Aus der Position des Beobachters kommentierten die „literarischen Weggenossen“ die Versuche und Irrtümer jener frühen Jahre durchaus bissig und attackierten die Verfehlungen scharfzüngig. Sehr pointiert geschieht dies in