Tag: Literatur

Dresdner Arbeiterdichter

von Marcel Braumann Meine Handy-Nummer steht im Internet und natürlich (!) ist man als Öffentlichkeitsarbeiter der größten Oppositionsfraktion des Landtags prinzipiell irgendwie immer für den Rest der Welt erreichbar. Aber, nun ja, es gibt Besucher des Parlaments, für die von den am Empfang Tätigen verzweifelt Kontaktpersonen der Fraktionen gesucht werden, weil – man nicht am




„Die DDR hat’s nie gegeben“

von Prof. Dr. Kurt Schneider Als in Berlin der Palast der Republik abgerissen worden war, prangte unterhalb des Tatortes an einer Mauer entlang der Spree ein Graffito „Die DDR hat’s nie gegeben“. Es drückte aus, was so manchem Akteur der „friedlichen Revolution“ bewusst geworden war: Der Abriss des Palastes der Republik sollte den Abriss der




Gastland Litauen auf der Leipziger Buchmesse

von Ralf Richter Es gibt eine Münchhausen-Geschichte, die mich als Kind tief beeindruckt hat. Mitten im klirrend kalten Winter überfällt Münchhausen in einer tief verschneiten Gegend, wo er nur eine weiße Wüste um sich sieht, die Müdigkeit. Rasch bereitet er sich ein warmes Lager, auf dem er sich ausbreiten kann, und macht sein Pferd an




Lehrreiche, anregende Deutschstunden

von Klaus Pezold Der Literaturbetrieb lebt von Neuigkeiten. Sie werden besprochen, häufig in eine Höhe gelobt, die ihnen nicht unbedingt gut tut – und oft schnell wieder vergessen. Eine Chance gegenüber diesem Aktualitätsdrang haben meist nur Autorinnen und Autoren, bei denen ein runder Geburts- oder Todestag für indirekte Aktualität sorgt. Da fällt das Feuilleton des




Impressionen von der Leipziger Buchmesse

von Andreas Haupt Am Mittwochabend, anlässlich der Eröffnung der diesjährigen Leipziger Buchmesse, erhielt der Historiker Heinrich August Winkler den Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Er erhielt die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung für sein vierbändiges Mammutwerk Geschichte des Westens. Am selben Tag wurde in der ostukrainischen Stadt Saporischja die letzte große, über 40 Tonnen schwere




Wir, die Kinder der Utopie

von Wulf Skaun Adelheid Latchinian porträtiert im elften Jour fixe am Leipziger Sitz der Rosa-Luxemburg-Stiftung Leben und Werk der weißrussischen Nobelpreisträgerin 2015, Swetlana Alexijewitsch Die Bibliothek der Leipziger Rosa-Luxemburg-Stiftung platzt aus allen Nähten. Jour fixe, der „unkonventionelle Gesprächskreis“, startet vor Rekordkulisse in sein zweites Jahr. Die elfte Auflage Ende Januar 2016 folgt dem Erfolgsrezept: Mit




„Akademisierungswahn“ – Nida-Rümelin rechnet ab

von Ralf Richter Julian Nida-Rümelin meldet sich zu Wort. Der Kulturstaatsminister der Schröder-Fischer-Regierung hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben, das in der edition Körber-Stiftung erschienen ist. Auf 256 Seiten analysiert Rümelin die Kursrichtung aktueller Bildungspolitik. Dabei sagt der Titel „Der Akademisierungswahn – Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung“ schon viel aus. Freilich, der aus einer Künstlerfamilie




Sitzen zwei auf dem Blauen Sofa

Eine Rückschau auf die Leipziger Buchmesse mit Hör-, Seh- und Lesetipps von Ralf Richter Wer reinkommt in die Glashalle bei der Leipziger Buchmesse, steuert unweigerlich auf „Das Blaue Sofa“ zu. Hier werden von ZDF und Deutschlandradio Kultur die renommiertesten Autoren interviewt. Am „Messe-Freitag“ waren es u. a. Gysi und Schorlemmer. Bei der Vorstellung ihres gemeinsamen




Wiederauferstehung der Volkseigenen Betriebe?

von Ralf Richter In der Unterzeile des bei Campus erschienenen, etwa 500 Seiten starken Buches heißt es „Das Internet der Dinge, Kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus“. Bei manchen Büchern macht der Titel neugierig, bei anderen sind es die Untertitel, die einen „ins Boot holen“. Für mich waren es die letzten drei Wörter des




Buchtipp: Kulturgeschichte des Ersten Weltkrieges von Ernst Piper

von Pieter Potgieter Bei einem großen Jubiläum erscheinen meist mehrere, um das Leser-Interesse konkurrierende Werke – so ist es natürlich auch in diesem Jahr, in dem sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum einhundertsten Mal jährt. Die „Leit-Medien“ legen sich in solchen Fällen immer rasch auf ihre Favoriten fest: Bereits im Vorjahr wurde die Werbetrommel