22 Kilometer Elbe-Elster-Floßkanal laden zur Entdeckung ein
von Ralf Richter

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Wie heißt er denn nun richtig, Sachsens längster Kanal? Elbe-Elster-Floßkanal oder Grödel-Elsterwerdaer-Floßkanal? Wer dem 22 Kilometer langen Wasserweg von der Elbe aus folgt, wird beiden Schreibweisen begegnen, der Wechsel erfolgt exakt am KS- bzw. KP-Grenzstein 180 in Gröditz, wobei KS für Königreich Sachsen steht und KP für Königreich Preußen. Bis dorthin lautet die Schreibweise auf der sächsischen Seite „Elbe-Elster-Floßkanal“. Als man 1742 unter dem Baumeister Johann Müller mit dem Kanalbau begann, war freilich Preußen noch ganz weit weg. Dresden und Meißen brauchten dringend Holz für Wohnungen und aufkommende Industrie, doch die Waldbestände des Erzgebirges waren bereits unter August dem Starken verfeuert worden und böhmisches Holz war zu teuer. Zwei Jahre nach dem Tod Augusts des Starken – 1735 also – wurde eine Regierungskommission eingesetzt, die zu dem Schluss kam, dass aus den Waldungen um Elsterwerda, Senftenberg sowie aus dem Schraden jährlich 9.000 Festmeter Holz entnommen werden könnte, ohne die Waldungen oder den Wildbestand zu schädigen. (Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass der Schraden als „Wildbrettkammer“ Sachsens galt. ) Schon 1736 führte das Sächsische Militär die Planierarbeiten durch. Auf der Schwarzen Elster und der Pulsnitz wurde das Holz bis nach Elsterwerda geflößt, wo es auf dem Holzhof bearbeitet und auf Kähne verladen wurde. Von da fuhren die Kähne das Holz bis nach Grödel in der Nähe von Riesa an die Elbe. Die Preußen kamen erst nach der Völkerschlacht in Leipzig 1815 ins Spiel – und so wurde aus dem größten Kanal Sachsens ein Kanal, der in Teilen nach Preußen hineinreichte – doch Sachsen verlor nach 1815 mehr als seine Wildbrettkammer – insgesamt bekam Preußen zwei Drittel des Sächsischen Territoriums zugesprochen …
Wer heute von Dresden kommend bei Grödel hinter Nünchritz den Elbe-Radweg verlässt und sich auf das weitgehend unbekannte Abenteuer Elbe-Elster-Floßkanal einlässt, erlebt auf dem Kanalweg ein Flair, wie man es sonst nur im Spreewald vermutet. Große Fische (Karpfen) schwimmen im klaren Wasser, Reiher sind zu beobachten, tanzende farbige Libellen faszinieren ebenso wie knallgelb blühende Wasserpflanzen. Gelegentliche Stille, alte Uferbäume und einsame verschlungene Wege machen den Abstecher zu einer kleinen Romantik-Tour. Das ganze Gewässer wird heute von Anglern des DAV betreut. Riesaer, Strehlaer, Gröditzer und Elsterwerdaer Petri-Jünger teilen sich das Gewässer, dass einst nicht nur dem Transport von Holz und Eisen (das Eisenwerk in Gröditz nutzte ebenfalls diesen Wasserwerk) diente, sondern auch zur Bewässerung der Gärten und Felder. Die Jugend hatte durch den Kanal immer ein „Freibad“ im Dorf und im Winter einen „Eis-Kanal“ zum Schlittschuhlaufen.
Romantischer ist die Kanaltour in Sachsen, informativer aber in Preußen. Das beginnt bereits in Prösen, wo man an der dortigen Schleuse erfährt, dass schlechte Baumaterialien, miserable Arbeitsmoral und Eigentümerstreitigkeiten den Kanalbau um viele Jahre verschleppten – erst am 2. Dezember 1748 konnte der Kanal erstmalig befahren werden. Das letzte Schiff durchfuhr ihn am 24. Juli 1947, aber schon seit 1815 war es mit der Flößerei vorbei gewesen – nicht zuletzt aus politischen Gründen. Außer der Schleuse bietet die Preußische Seite auch weitere interessante Informationstafeln an z.B. zu den Bomätschern, den Männern, die die Schiffe ziehen mussten und auch ein Kahn-Umriss kann betrachtet werden. Endpunkt der Kanal-Tour ist Elsterwerda, wo man das wieder her gerichtete Schloss zumindest von außen besichtigen kann und dann mit den Rädern am besten die Regionalbahn besteigt um auf der Eisenbahnstrecke Elsterwerda-Riesa darüber nachzusinnen, wie deren Bau 1875 dazu führte, dass der Kanal seine Funktion als Transportweg endgültig verlor. Etwas schade mutet es schon an, dass man den Kanal so gar nicht touristisch mit dem Boot „erfahren“ kann, obwohl man vereinzelt mal ein kleines Boot im oder am Kanal sieht. Immerhin bleiben die Angler so ungestört ebenso wie die „Kanal-Biber“, die hier und dort ihre Spuren hinterlassen haben und es sind nur wenige Besucher, die auf dem nicht immer gerade gut ausgeschilderten Elbe-Elster-Floßkanalweg eine Wanderung oder Radtour machen.