
Gregor Henker berichtet vom Kongress des Chaos Computer Club.
Wer Ende Dezember in Berlin weilt und dabei über den Alexanderplatz flaniert, blickt unweit eines großes Einkaufszentrum auf ein seltsam blinkendes Gebilde: Die Fairydust. Landet das Raumschiff vorm Berliner Congress Center (BCC) ist klar, der alljährliche Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) beginnt. Zum 27. Mal war es also dieses Mal soweit und war schon im Vorfeld bemerkenswert. Circa 4000 Tickets wurden binnen weniger Stunden verkauft und so manch eine/r versuchte noch in letzter Sekunde an ein ein solches heranzukommen, zumeist vergeblich.
Der 27. Communication Congress (27C3) wurdes dieses Jahr besonders medial begleitet. So hatte Deutschlandradio ein eigenes kleines Studio aufgebaut und berichtete live von einigen Seminaren. Ob die Aussage, die Computerfreaks und Hacker und Hacksen (die selbst gewählte weibliche Form) seien mittlerweile tief im Establishment angekommen stimmt – davon sollte man sich allerdings selbst überzeugen. Wahr ist natürlich, dass vor 10 Jahren niemand damit gerechnet hätte, dass der CCC als Sachverständige/r vor dem Bundesverfassungsgericht oder in Ausschüssen des Bundestages – oftmedial verwertet – von allen Parteien gerne gesehen wird.
Dennoch war das Chaos im Namen des CCC nie als Chaos des Vereins, der Buchführung oder des WG-Zimmers gemeint. Im Eröffnungsvortrag wurde betont, dass es um das Chaos in der Welt ginge, die Flut an Informationen und Daten, die es heute zu bewältigen geht und das dies manche vermögen und andere – eben nicht. Diese sogenannte Keynote führt auch alljährlich das Motto des Kongresses ein.
Beim 27C3 stand das Motto „We come in peace“ (Wir kommen in Frieden) über allem. Nicht zuletzt eine Ansage zur Berichterstattung, die das ausgehende Jahr dominierte. Stichwort Wikileaks. Sind die „Schuldigen“ die Urheber der Geheimnisse oder die, die diese öffentlich machen? Und es ist ein Verweis auf die immer größer werdende Regulierungswut regierender Politiker, die die (nun nicht mehr so) neuen Medien in Gesetzeshüllen und Vorschriften packen wollen, die diesen nicht gewachsen sind. Der schöne Spruch, dass man schon in ein Baumhaus von alleine hinein klettern können muss, um die Tapete bestimmen zu wollen, machte auch hier die Runde. Auf dutzenden Vorträgen und Workshops wurden technische, aber auch gesellschaftliche politische Themen abgehandelt. So wurde das Problem der digitalen Spaltung thematisiert. Dabei ging es unter anderen darum, dass im HARTZ IV Regelsatz kein Geld für einen Internetanschluss vorgesehen ist. Dabei ist das Netz heute ein selbstverständlicher Kommunikationskanal geworden, der je nach Alter sogar das Fernsehen längst überholt hat. Darüber hinaus ist es eben auch ein demokratischeres Medium, als die „Glotze. Schließlich stellen sich Partizipationsmöglichkeiten, die Möglichkeit einfach selber zum „Sender“ zu werden, jedem zur Verfügung der online ist. Als anderes Beispiel sei der CCC Jahresrückblick erwähnt, bei dem unter anderen von der Enquete Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ im Bundestag berichtet wurde. Dort sitzt Constanze Kurz, eben vom CCC, für die LINKE als Sachverständige. Ob dieses Gremium wirklich Gehör finden wird, das wird sich noch zeigen müssen. Der 27C3 jedenfalls kam in Frieden und in 11 Monaten wird die Fairydust wieder auf dem Alexanderplatz landen.
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