Category: Buchbesprechung

Eine Kritik der Zeitverhältnisse

von Andreas Haupt Diese Besprechung bemüht sich um den Essayband „Beschleunigung und Entfremdung“ des Jenaer Soziologen Hartmut Rosa, der auf der Basis seiner intensiven Beschäftigung mit dem Phänomen der Beschleunigung in der Moderne einen neuen Zugang zum Konzept der Entfremdung entwickelt. Dabei geht es dem Autor, wie schon der Untertitel „Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner




„Die Abwicklung – Eine innere Geschichte des neuen Amerika“

von Ralf Richter Wann hat man Gewissheit, dass ein Buch richtig gut ist? Das ist zumeist dann der Fall, wenn man irgendwann beim verstohlenen Vorblättern mit einiger Betrübnis feststellt, dass das Buch nur noch dreißig Seiten Lektüre übrig hat … In dem im letzten Jahr mit dem National Book Award ausgezeichneten Buch „Die Abwicklung“ von




Ludwig Renns Soldaten-Roman „Krieg“: aktuell wie nie

von Ralf Richter Es wird viel geschossen in diesen Tagen. Nahezu wöchentlich wechselte in letzter Zeit das Feindbild. Mussten wir nicht vorgestern alle gegen Assad sein, so hieß es gestern „Putin, Du alter Schuft“, aber der hatte dann auch gleich abgewirtschaftet. Nun ist isi-pisi, pardon, ISIS der neue Feind – man kommt bald nicht mehr




Nicht utopisch: Ein Buch des Netzwerkes der Weltreporter

von Ralf Richter „Völlig utopisch – 17 Beispiele einer besseren Welt“ steht auf dem blau-weiß-orangenen Cover, auf dem ein Radler oder eine Radlerin mit einem speziellen Dänen-Rad im Transportkasten eine Ziege mit Grünzeug kutschiert, während hinten auf dem Gepäckträger Bücher gestapelt sind, auf denen eine Vase mit Blume umher schwankt – dazu gibt es ein




Auf Nahrungs- und Sprachbeschaffung

von Andreas Haupt Der Künstler und Dichter Schuldt hat mal wieder publiziert. Da er dies nur sehr gelegentlich tut, ist der erneut erschienene Band In Togo, dunkel eine wunderbare Gelegenheit, den originellen Autor kennenzulernen. Schuldt, der seinen Vornamen gerne verschwinden lässt, beschäftigt sich in seinen Texten mit Inhalt und Form von Sprache, für ihn ein




Der Lumpenhund in der Revolution

von Andreas Haupt Das Experiment einer besseren Gesellschaft begann mit einer Revolution, deren weitere Entwicklungen in den frühen 20er Jahren von der Gruppe der Poputschiki begleitet wurden. Aus der Position des Beobachters kommentierten die „literarischen Weggenossen“ die Versuche und Irrtümer jener frühen Jahre durchaus bissig und attackierten die Verfehlungen scharfzüngig. Sehr pointiert geschieht dies in




Weit mehr als schwarze Krimis

von Rico SchubertJim Thompson, der Dostojeweski der hard boiled Krimis Einer der bekanntesten Filme der Schauspielikone Steve McQueen ist „Getaway“. Der berühmten Verfilmung von 1972 liegt ein Roman des bis vor kurzem leider fast vergessenen Jim Thompson aus dem Jahr 1959 zugrunde, ein Autor, der wohl auf eine Stufe mit den Klassikern des hard boiled




Marxsche Abgründe – Szenische Lesung über ein Leben in Briefen

von René Lindenau Marx und Engels galten als eifrige Briefschreiber. Über viertausend Briefe sind von ihnen überliefert. Der Marx-Biograph Francis Wheen meinte dazu: „Ihre umfangreiche Korrespondenz ist ein tolles Gemisch von Geschichte und Klatsch, Politökonomie und Lausbubenzoten, hohen Idealen und äußersten Intimitäten“ (Karl Marx, München 1999, S. 105). Doch um diese beiden Herren soll es




Buchtipp: Kulturgeschichte des Ersten Weltkrieges von Ernst Pieper

Eine Empfehlung von Pieter Potgieter   Bei einem großen Jubiläum erscheinen meist mehrere miteinander um das Leser-Interesse konkurrierende Werke – so ist es natürlich auch in diesem Jahr, an dem sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum einhundertsten Mal jährt. Die „Leit-Medien“ legen sich in solchen Fällen immer rasch auf ihre Favoriten fest: Bereits im



Lies’ mal drüber!

Oft besprochen und gelesen: “Geh doch rüber. Feinste Beobachtungen aus Ost und West”. Ein Buch von Jan Korte Von Kevin Reißig Es ist keine Autobiografie, noch nicht. Dennoch macht das Büchlein seine Leser trefflich mit seinem Autor bekannt, auf der menschlichen, nahen Ebene. Jan Korte hat ihn erlebt, den Kulturschock, als er antrat, die innerdeutsche