Nadja: Ich habe innerhalb der linksjugend einen Raum für mich gefunden, wo ich mich politisch ausprobieren kann, wo ich mich entfalten kann, wo ich teilnehmen kann ohne Druck, wo ich aber auch meine Ideen frei äußern kann und mich auch sofort ernst genommen gefühlt habe. Tatsächlich eben nicht mit einem Lebenslauf voller KnowHows, sondern meine Meinung hat gezählt. Ein ganz großer Vorteil der linksjugend.
Lars: Mein erster Kontakt war 1998, wo ich die PDS schon bewusst wahr genommen habe und parallel dazu Leute auf Landesebene einen Jugendwahlkampf starteten, der die PDS mit coolen Wahlkampfmaterialien und Give Aways mindestens ergänzte. Es gab jugendspezifische Themen, Graffitiwände und es fuhren bunte Busse durch das Land, was einfach total viel Spaß machte. Das war so ein Ding, wie ich mir politische Arbeit vorstellte, aber nicht kannte. Und dann gab es so etwas wie die erste Mitgliederversammlung, wir machten einen Jugendtag in Weißwasser und haben politische Forderungen an die Partei ausgearbeitet. Das waren Forderungen, die klangen damals total visionär, sind aber heute zum größten Teil umgesetzt. Das war sicherlich auch ein erster Grundstein.
N: Im Sinne von dem ersten Pfingstcamp, dass man sich irgendwann als Akteur begriffen hat, was dann als Linksjugend entstanden ist.
L: Ja, Pfingstcamp ist ein schönes Stichwort. Es gab junge Menschen in der PDS und dann gab es junge Menschen bei den Jungdemokratinnen/Junge Linke und die haben sich zusammengesetzt und gemeint, wir könnten ja mal ein Pfingstcamp zusammen machen, weil sowas ja auch eine gewisse Tradition bei linken Organisationen hat. Und gesagt, getan, könnte man das kurz abhaken. Da war 1999 eben auch das erste Pfingstcamp, ein weiterer wichtiger Grundstein. Und aus dem Pfingstcamp, das sich seit dem jährlich wiederholt ist ja das Camp von heute gewachsen. Bei den ersten Pfingstcamps , wo es eine Podiumsdiskussion gab, ein paar Workshops, nen DJ, bestimmt auch mal eine Liveband, zu dem was das heute geworden ist. Das weißt Du ja besser wie ich, was qualitativ und quantitativ die Steigerung ist. Und das war ein Einstiegspunkt das Pfingstcamp, für Leute, die jetzt nicht zur Partei gehören.
N: Naja, mein erstes Pfingstcamp war 2010 – das letzte in Srbska. Und so Strukturen, wie man Workshops und Arbeitskreise ansetzt, wie das versucht wird einfach Leute einzubinden und wie man versucht, bei Leuten Interesse zu wecken, das konnte ich schon mitbekommen, aber das Pfingstcamp an sich war für mich halt echt noch mal, das hat mir die gesamte Vielfalt die die Linksjugend, ich nenn es jetzt mal Landesebene, zu bieten hat. Meiner Meinung nach lebt das Pfingstcamp zum großen Teil davon, dass es ja nicht nur von Leuten organisiert wird, sondern dass es da auch einen riesen Freiraum gibt, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, sich auch selbst zu organisieren, also dass, was ja auch von der Linksjugend selbst wieder der Anspruch ist, im Pfingstcamp auch wieder sehr gut umgesetzt.
L: Transparenz zog sich bei uns durch alle Arbeitsprozesse, die es gab. Wahlkampftouren wurden gemeinsam mit den Leuten vor Ort gestaltet. Also da gab es einen Tourplan und was aber vor Ort passiert, haben die Leute selbst festgelegt. Von der Wahlkampfveranstaltung bis zum Pennplatz alles organisiert und so reihte sich das aneinander und das war schon manchmal anstrengend aber schon auch saucool. Die ersten Touren hatten den schönen Namen Chaostour, oder Chaossommertour. Wir hatten schon auch den Ruf so ein bisschen Chaos zu hinterlassen.
Und 2004 hatten wir dann ein eigenes Jugendwahlprogramm, mit eigenen Themen um junge Leute anzusprechen, dass auch eine mediale Öffentlichkeit fand durch Themen, wie Legalisierung aller Drogen, Wahlalter 0, Abschaffung der Noten. Und das sind ja Themen, die heute in der Partei, aber auch darüber hinaus, diskutiert werden.
N: Definitiv. Es ist halt sehr spannend zu sehen, wie solche Themen, die aus dem Jugendverband kommen, weiter auch tatsächlich ihre Wege in die Partei gefunden haben, aber halt über eine eigene Zielsetzung.
L: Die Verknüpfung und Verbindung zur Partei wurde schon immer gerne diskutiert: gehören wir in die Partei, zur Partei, bei der Partei? Mit der Gründung waren wir immer ein Parteijugendverband, der aber immer eigene Inhalte und Akzente setzte und eigene Aktionen machte. Er war keine Kaderschmiede.
N: Die Linksjugend bezieht Gelder aus der Partei, klar. Die Verbindung zur Partei findet meiner Meinung nach über persönliche Interessen am meisten statt, also wenn Leute in der Linksjugend auch Parteimitglied sind und meinetwegen auch Interessenfelder in beidem haben und Inhalte rückkoppeln, also von Linksjugend in Partei, von Partei in Linksjugend. Ich finde es manchmal ein bisschen schade, wenn ich mitbekomme, dass einige Parteigenossen, Parteifreunde den Jugendverband immer so als hauseigenes Ding begreifen, und sagen ja Jugendgelder sind Parteigelder, sind unsere Gelder, wo ich sage: ne, was der Jugendverband für die Partei leistet, das ist manchen gar nicht bewusst. Dass was man dem Jugendverband lassen kann, nämlich seine unglaubliche Freiheit, seine Selbstbestimmung, auch strukturelle Selbstbestimmung, das sollte auch so beibehalten werden. Das ist zum Beispiel auch schon wieder ein Grund für mich, dass ich mich dem Jugendverband, und auch der Partei, angenähert habe, ich trete ja nicht blindlings wo ein, ohne zu wissen, wie arbeiten die Leute dort miteinander, wie wird dort mit Hierarchien umgegangen, versucht man eine Transparenz aufrecht zu erhalten oder zu erschaffen, wie geht man mit Leuten um, die noch nicht in der Struktur drin sind und vielleicht auch konträre Meinungen haben. Das sind alles so Punkte, die muss ich doch erst kennen lernen, bevor ich für mich entscheiden kann, ja, da trete ich mit ein und will direkt mitwirken.
L: Und es gibt ja auch eine personelle Verzahnung, der JV hat eigene Delegierte, also für den Landesparteitag, die selbst gewählt werden und schlägt den oder die Jugendpolitische Sprecherin im Landesvorstand vor.
N: Der Jugendverband bündelt eben viele Leute um sich, die kein Interesse an nem parlamentarischen Betrieb haben, kein Interesse haben irgendwie in die Partei einzutreten, die aber trotzdem Interesse haben gesellschaftlich mitzuwirken, trotzdem an einzelnen Themenfeldern Interesse. Durch seine Offenheit, durch seine Themenvielfalt, die er meiner Meinung nach der Partei immer voraus war, das was jetzt in manchen Kreisen DIE LINKE versucht, nämlich eine modernere linke Partei zu sein, war der Jugendverband für mich viel eher .
N/L: Daumen hoch!
N: Den Daumen kriegen nur Leute, die auch zur Party am 10.12. nach Dresden kommen.
L: Großenhainer Str. 93, Haus der Begegnung und später im Jugendhaus. Erst gibt’s Rückblicke, Einblicke und vielleicht Ausblicke. Viel, viel mehr als was wir jetzt besprochen haben. Und ab 20 Uhr…oder dancen oder beides und Lagerfeuer, und alle Menschen.
N: … und Lars
L:… und Nadja! Und alle Menschen, die jemals mit dabei waren beim Jugendverband, die mitgemacht haben…
N:… und dann können wir uns voller Harmonie in den Arm nehmen… zurück kucken… weitersinnen… Kraft sammeln… So Emo-like, aber so Hoffnungs-Emo-like… so oben rechts, wie ein Hase in die Zukunft gucken….
N&L: Tschühüß!
Das Gespräch ist stark gekürzt und kann vollständig unter www.daslinkesofa.de angesehen werden.