Category: Rezension

Fluchtpunkt Lissabon

Von Prof. Dr. Kurt Schneider Am 10. Mai 1940 überschritt die deutsche Wehrmacht die Westgrenze Deutschlands. Sie besetzte in kurzer Zeit Belgien, Luxemburg, die Niederlande und Nordfrankreich. Ein gewaltiger Strom von Flüchtlingen brach auf in Richtung Südwesten, um den Kampfhandlungen und Verfolgungen zu entkommen. Vor allem Juden sahen die Gefahr, in der sie sich befanden,




Herausragender Lied-Poet von internationalem Format

Jens-Paul Wollenberg über deutschen Folk, das Plattdeutsche und den Niederländer Helmut Debus Es war die Zeit der Rückbesinnung auf eigene Identität in Sachen Volksmusik, die Geburtsstunde des deutschen Folk-Revivals, Ende der Sechziger bis Mitte der Siebziger. Bis dahin gab es zwar auch schon Folkmusik, aber mehr oder weniger wurde irische, schottische oder amerikanische Folkmusik nachgespielt




Gralshüter proletarischen Schrifttums

Eine neue Publikation würdigt Archivare, Bibliothekare und Sammler deutschsprachiger Quellen der Arbeiterbewegung. Von Wulf Skaun „Die alte Welt erneuern ? das ist der tiefste Trieb im Wunsch des Sammlers, Neues zu erwerben …“ Was Walter Benjamin in seinem Essay „Ich packe meine Bibliothek aus“ als allgemeines Credo jener Spezies formuliert hat, trifft auf Archivare, Bibliothekare




Von Kassandrarufen und Politpostkarten

März-Heft des Berliner Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung mit gewohnter Themenvielfalt. Von Wulf Skaun „Heute sucht Deutschland in der ganzen Welt alle möglichen und nur unmöglichen Plätze unter der Sonne zu erobern. Wenn heute am Schlusse des Chinakrieges noch keine endgültige Aufteilung Chinas eingetreten ist, so ist der Grund darin zu sehen,




Annotiert: MARX-Handbuch

Von Prof. Dr. Kurt Schneider Nach dem Kant-Handbuch von Gerd Irrlitz und dem Habermas-Handbuch von Hauke Brunkhorst u.a. (Hrsg.) hat der J. B. Metzler Verlag bereits vor einiger Zeit das von 33 Autoren verfasste und von Michael Quante sowie David P. Schweikard herausgegebene „Marx-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung“ verlegt. Die Herausgeber betonen, dass die




Echt jetzt? Lifestylefokussierung?

Von Katja Kipping Peer Steinbrück hat ein Buch geschrieben. Erinnern wir uns: Eben jener Peer Steinbrück, der zusammen mit Gerhard Schröder in der SPD die Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze durchgedrückt hat; eben jener Mann, der als Kanzlerkandidat 2013 seine Partei zu damals historischen Tiefen führte (wohlgemerkt DAMALS historisch.) Das Buch trägt den Titel „Das




Mit Marx den Aufstieg von Trump und Co. verstehen

Dr. Volker Külow empfiehlt einen aktuellen Sammelband über „Die neuen Bonapartisten“ Die 1852 erstmals veröffentlichte Schrift „Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte“ nimmt in Marx’ Schaffen eine Schlüsselstellung ein. Aus heutiger Perspektive liefert der Autor nicht nur eine brillante Darstellung und Interpretation der Ereignisse in Frankreich seit der Februarrevolution 1848, die schließlich zum Staatstreich durch




Kein Einheitsbrei, sondern Trennkost

Michael Zock über die Ausstellung „Formgestaltung in der DDR“ im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig Um es gleich anfangs festzustellen: Der Besuch dieser Ausstellung lohnt. Man kann sie ohne Nöte im Kalender planen, denn bis zum 14. Oktober besteht an allen Tagen (außer montags) eine Möglichkeit. Die Überschrift kam mir während des Presserundgangs in den Sinn. „Kein




„Z.“ zum Marx-Geburtstag mit Schwerpunkt Arbeit und Ausbeutung

Von Volker Külow Das neue Heft der marxistischen Vierteljahres-Zeitschrift Z. ist Anfang März pünktlich erschienen. Es hat den Schwerpunkt „Arbeit und Ausbeutung“ und ist aus naheliegenden Gründen zugleich dem 200. Geburtstag von Karl Marx gewidmet. Schon im Editorial wird die entsprechende Schlüsselfrage formuliert, die Marxistinnen und Marxisten in aller Welt in diesem Jahr besonders umtreibt:




Tatsächliche Interessen verschleiern

Ralf Richter rezensiert „Der Dreißigjährige Krieg“ von Herfried Münkler Das Buch trägt den Untertitel „Europäische Katastrophe, Deutsches Trauma 1618 – 1648“. Inzwischen hat das fast tausendseitige Werk des Politikwissenschaftsprofessors Lob und Kritik bekommen. So viele Seiten sind für ein Buch viel – für das Thema aber sind sie es nicht. In diesem Jahr ist der