Category: Kunst

Skurriles Gesamtkunstwerk in bitterer Zeit

Jens-Paul Wollenberg folgt den Spuren des sowjetischen Kinderbuch-Autors Daniil Charms „Einst ging ein Mensch aus seinem Haus / In Mantel, Stock und Hut / Lang ist der Weg / Der vor ihm sich auftut. / Und eines Tags im Morgengrauen / Stand er im dunklen Wald / Und seit der Zeit / er für verschwunden




Folksänger und Menschenrechtler – Harry Belafonte zum Neunzigsten

von Jens-Paul Wollenberg Harry Belafonte wurde am 1. März 1927 in New York geboren. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er jedoch in Jamaika, wo er unweigerlich mit den temperamentvollen Rhythmen der Calypso-Musik konfrontiert wurde. Sie erklang überall, landauf, landab, auf den Marktplätzen, in den Gassen der Städte, in den Caféhäusern, und löste bei ihm eine




„Am Anfang war der Tango“

von Jens-Paul Wollenberg So beginnt der Leipziger Sänger Peter Wassiljewski über die Gründung und Entwicklung seines „Leschenko-Orchesters“ zu erzählen. Es war seine Lebensgefährtin, die zufällig auf einen Zeitungsartikel über den sowjetischen Chansonnier Pjotr Leschenko stieß. Leschenko wurde als König des russischen Tango bezeichnet. Als sich das Paar eine CD mit authentischen Aufnahmen aus den 30er




Vom Palast bis zur Platte

von Wulf Skaun Architektur und Architekturgeschichte in der DDR „Mutter aller Künste“ pries der alte Römer Vitruv die Architektur. Caesars und Augustus’ Baumeister, Architekt und erster Architekturtheoretiker der Geschichte formulierte drei noch heute gültige Tugenden, die Architektur zu beherzigen habe: Firmitas (Festigkeit), Utilitas (Nützlichkeit) und Venustas (Schönheit). Ob und in welchem Grade die Baukunst der




Genosse, wo bist Du heute? Wie die DDR-Jugendhochschule eine Finnin nicht loslässt

Obwohl es viele FDJ-Blauhemden in der Einrichtung gab, war sie in der DDR fast unbekannter als im Ausland: Die Rede ist von der Jugendhochschule Wilhelm Pieck in Bogensee bei Berlin. Ende der 80er Jahre studierte an der wichtigsten Kaderschmiede der Freien Deutschen Jugend auch eine junge Finnin das Fach Marxismus-Leninismus. Kirsi Marie Liimatainen hat unter




Bilder einer Ausstellung – aktueller denn je!

von Ralf Fiebelkorn Vom 13. bis 25. August fand in Leipzig die III. Internationale Plakatausstellung statt. Gezeigt wurden 95 von über 1.100 eingereichten Plakaten aus aller Welt. Das Museum für Galvanotechnik stellte seine Ausstellungsräumlichkeiten zur Verfügung. Nicht zuletzt auch durch die Nutzung der Galvanotechnik für die Drucktechnik wurde Leipzig zu einem Zentrum der polygrafischen Industrie




Dick Gaughan – schottischer Sänger mit irischen Wurzeln

von Jens-Paul Wollenberg Das britische Folkrevival, das sich der Wiedergeburt von längst totgeglaubtem Volksliedgut widmete, wurde nicht etwa durch massentaugliche Medien ins Leben gerufen. Vielmehr spielte der Umstand eine wesentliche Rolle, dass sich dem kommerziell orientierten Mainstream eine Art Feldforschung von unten entgegensetzte. Junge, meist linksorientierte, mitunter auch schon gestandene Barden entdeckten in diesen alten




Ändere die Welt, sie braucht es!

Zum 60. Todestag: Brief eines Nachgeborenen an den Klassiker der Vernunft Lieber Bidi, werter Genosse Brecht! Die erste Anrede erlaube ich mir, weil Du in meinem Leben immer ein Kraftgeber und ein zum Nach- und Weiterdenken Anregender warst. Die zweite Anrede gestatte ich mir, obwohl Du nie Mitglied einer linken Partei warst, Dich aber immer




„Souverän und ursprünglich – von Blues aus Polen bis Diestelmann“

von Jens-Paul Wollenberg Wie kam es eigentlich dazu, dass gerade in der DDR und Volksrepublik Polen unabhängig voneinander Blues eine nicht unbedeutende Rolle in der modernen Musikszene spielte? Der Auslöser für diese Entwicklung könnten die Gastspiele des Ensembles „American Folk Blues Festival“ sein, das 1964 und 1966 in beiden Staaten auftrat. Diese Gruppierung aus namhaften




Gabriel Yacoub und Malicorne: Bestes aus Frankreich

von Jens-Paul Wollenberg Es gab und gibt in Frankreich zahlreiche großartige Sängerinnen, Sänger und Musikgruppen aus dem Rock-, Pop-, Jazz-, Folk-, Chanson- und Weltmusikbereich, die in Deutschland bestenfalls als Geheimtipp gelten. Dabei verstehen sich viele der französischen Künstler als scharfe Widersacher der kommerziellen Amerikanisierung in den Kulturlandschaften. So wurde zum Beispiel ein Kontingent von 40