Category: Glosse

Zeitloses „der Zeit gemäß“

Von Peter Porsch „Dem blöden Volke unverständlich / treiben wir des Lebens Spiel / Gerade das, was unabwendlich, / fruchtet unserm Spott als Ziel.“ Diese ersten vier Zeilen seines Gedichtes „Galgenberg“ mögen als Motto gelten für Cristian Morgensterns Galgenlieder. Gedichte, die im Nonsens verkleidet tiefsinnige Wahrheiten verkünden. Der Nonsens, seit 1895 entstanden, entlarvt „zeitlos“ Gültiges,




Warum und zu welchem Zweck manche flüchten

Von Peter Porsch Ungarn hat in den letzten siebzig Jahren eine merkwürdige Geschichte, was Fluchtbewegungen betrifft, durchgemacht. Im Jahre 1956 zogen über 200.000 Menschen vor den Folgen eines verlorenen Aufstandes zunächst nach Österreich. Dort wurden sie hilfsbereit aufgenommen und konnten sich danach schnell in eine aufnahmebereite westliche Welt verteilen. Warum auch immer das damals so




Wem gehört Afrika?

Von Peter Porsch In dem Roman, den ich gerade lese (Juli Zeh, Unterleuten, Luchterhand, 2016), wird über eine Versammlung in einem kleinen brandenburgischen Dorf, mitten in einem Vogelschutzgebiet gelegen, erzählt. Der geschniegelte Agent einer Windradfirma versucht mit einer ausgefeilten Präsentation die Dorfbewohner davon zu überzeugen, auf ihren Grundstücken Windräder aufstellen zu lassen, zum Vorteil ökologischer




Hatschi Bratschi

Von Peter Porsch „Was kommt dort durch die Luft geflogen und immer na?her hergezogen? Es ist, man sieht es deutlich schon, ein großer roter Luftballon. Drin sitzt, die Pfeife in der Hand, ein Zauberer aus dem Morgenland. Der bo?se Hatschi Bratschi heißt er, und kleine Kinder fa?ngt und beißt er. O Fritzchen, Fritzchen, lauf davon,




Vom Geld

Von Peter Porsch Bei facebook fragte unlängst wer: „Was ist der Grund für die weltweite Abwesenheit von Frieden?“ Eine Antwort war: „Diese Regierungsform ‚Geld regiert die Welt‘ ist der Grund.“ Und sollte wer fragen, warum sich gerade diese „Regierungsform“ durchgesetzt hat, so gab es eine weitere Antwort: „Mit Frieden lässt sich schlecht Geld, und zwar




Von den Iden des März

Von Peter Porsch Die Iden eines jeden Monats waren bei den Römern der Antike Feiertage. Sie fielen jeweils auf den 13. oder 15. Tag des Monats und richteten sich nach dem Mondviertel. Wegen des 15. März im Jahr 44 vor unserer Zeitrechnung galten sie später aber auch als Metapher für drohendes Unheil. An diesem Tag




„More steel tanks than think tanks“

Von Peter Porsch Das war O-Ton des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki auf der sogenannten „Münchener Sicherheitskonferenz“. Englisch „tank“ ist bekanntlich der Panzer, geschmiedet aus Stahl oder guten Ideen. „Oh, Herr, lass Hirn regnen“, habe ich auf einer Satirepostkarte gelesen. Nein, das ist nicht der Regen, den der Chef des katholischen Polen zu benötigen denkt. Ihm




Warm und kalt aus einem Mund

Von Peter Porsch Im Unterinntal, so zwischen Innsbruck und Rosenheim, erzählt man sich seit jeher eine bemerkenswerte Sage: Zu einem Mann, der im eiskalten Winter Holz schlug, gesellte sich ein Waldmännchen. Weil dem Holzfäller an den Händen mächtig fror, hauchte er sich immer wieder in die hohlen Pranken. Das Waldmännchen wunderte sich, was das sollte.




Aufpassen beim Anpassen

Von Peter Porsch „In der Sachversicherung ergeben sich ab dem 1. Januar Änderungen aufgrund von Anpassungsmaßnahmen.“ Das teilte mir meine Versicherung unlängst mit. Die „Anpassungsmaßnahmen“ waren nichts anderes als eine Erhöhung der Beiträge für die vertraglich vereinbarten Versicherungen. Warum kann man da eigentlich nicht schreiben, „erhöhen wir die Beiträge“? Die Beiträge haben sich ja nicht




Von Narren und Narrativen

Von Peter Porsch Es ist sicher schon 15 Jahre her, da fragte mich ein Freund, der damals seine Brötchen als Kommunikationstrainer verdiente, welche Erzählung die PDS eigentlich anbietet. Das mit der „Erzählung“ war ziemlich neu. Es stand, kurz gesagt, für Kritik und Problemlösungsangebote. Dafür hatte man anno dazumal noch Programme, Grundsatzpapiere, Thesen usw. Heute braucht