Category: Glosse

Kein Nachruf, aber ein Zufall

von Peter Porsch Manchmal spielt der Zufall wirklich verrückt. In der Hitze des Abends suche ich eines Donnerstags im Juni noch eine Einschlaflektüre und stoße auf ein kleines Büchlein aus dem Jahre 1990. Herausgeber Klaus Staeck, Titel: Goldene Worte von Kanzler Kohl, Vorwort von Dieter Hildebrandt, Nachwort vom Herausgeber. Ich vertiefe mich zuerst in die




Zweitausend Jahre – und nichts geändert

von Peter Porsch Aufmerksame Leserinnen und Leser meiner Kolumnen werden sich erinnern, einen ähnlichen Titel gab es schon mal. „Zweieinhalbtausend Jahre – und nichts geändert“ hieß es 2013 in der Novembernummer von „Links“. Es ging damals um die hinterhältig-schmeichelhafte Rede des römischen Konsuls Mennenius Agrippa, mit der er die sich verweigernden Plebejer zur Sicherung römischer




Not macht erfinderisch

von Peter Porsch Das weiß das einfache Volk im Vertrauen auf die eigene Kraft. Dass es oft so ist, kann man am Einzelfall belegen, und dass es dazu manchmal mehr der Not als technischer Raffinesse bedarf, auch. So wurde zum Beispiel vor gerade 200 Jahren etwas erfunden, was – glaubt man wieder dem Volk und




Winter ade …

von Peter Porsch In einer österreichischen Zeitung lese ich: „Der kalte Winter ließ die Heizkosten in die Höhe schnellen. Der Verbrauch liegt um 10 bis 20 Prozent über den Vorjahreswerten.“ Das wird anderswo in Europa, das wird in Sachsen wohl so ähnlich gewesen sein. Dabei war der diesjährige Winter nur ein wenig kälter als die




„Ich bin eine Dame von Stand!“

von Peter Porsch „… und i bin des Dirndl vom Land.“ So begann ein Dialog, den wir als Kinder immer wieder aufsagten. Es gibt ihn in hunderterlei Variationen verschiedener Längen. Auch die Dialekte des Dirndls wechseln. Die Dame spricht natürlich Hochdeutsch, was ihre Bildung hervorhebt. Die mir bekannte Version ging so weiter: „Ich spreche sieben




Wer ist denn nun des Wahnsinns fette Beute?

von Peter Porsch Mitte Januar dieses Jahres gab es zwei Meldungen, die sehr unterschiedlich unterschiedliche Menschen beunruhigten. Die Partei DIE LINKE hatte den Entwurf ihres Programms für die Bundestagswahl veröffentlicht. Die Entwicklungsorganisation Oxfam hinwiederum trat vor dem Start des Wirtschaftsforums in Davos mit einer Studie an die Öffentlichkeit. Oxfam stellte fest – und so meldete




Wie schaffen wir Weihnachten ab?

von Peter Porsch Was im August und September noch niemand glauben wollte, wird zur Gewissheit: Schon wieder Weihnachten! Das ist die Zeit des größten Stresses im Jahr. Schneller die Menschen nie hasten. Süßer die Kassen nie klingeln? Die letzten vier Wochen vor Weihnachten nahen mit Riesenschritten. Man nennt sie „Advent“ und kann das mit „Ankunft“,




Weil sein muss, was nicht sein darf

von Peter Porsch Literarisch Gebildete mögen erkannt haben, dass ich mich mit diesem Titel an Christian Morgenstern anlehne. Das ist nicht falsch. Die meisten kennen wohl sein Gedicht „Die unmögliche Tatsache“. Morgenstern berichtet vom Missgeschick seines Helden Palmström, der von einem „Kraftfahrwagen“ überfahren wurde. Nachdem er nach der Ursache grübelt, kommt er zur Erkenntnis, dass




Von der christlichen Seefahrt

von Peter Porsch Da fällt mir zunächst die Volksweisheit ein, dass man vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand sei. Das sagt allerdings mehr über Gerichte aus, als über die hohe See und die Schiffe darauf. Weil das Meer voller Gefahren ist, darf das Boot auch nicht zu voll sein. Wenn es heißt,




Die Sache mit der Identität

von Peter Porsch „Wenn alles unveränderlich wäre, ließe sich alles in eine unveränderliche Ordnung der Vernunft bringen, wäre jedes Geheimnis ungeboren, jede Frage gefragt, das Unvorhergesehene vorausgesehen, Außervernünftiges nicht denkbar.“ Das stellt Jurij Brezans Krabat erschrocken fest. Nur die Vernunft, nur Vorhergesehenes, keine Veränderung für ewig? Keine Phantasie, nichts Neues, keine Überraschungen – ziemlich langweilig.