Der Bezwinger des Leipziger Westens

Ein Buch nähert sich auf originelle Art einem Pionier. Von Michael Zock

Der Pionier war der Sohn eines Rittergutsbesitzers von Gundorf-Neuscherbitz, besuchte die Thomasschule und studierte an der Leipziger Universität. Sein Name: Karl Erdmann Heine.

Seine Lebensdaten 1819 bis 1888. Vielen Leipzigern, anno 2018, ist sein Name geläufig, denn die Karl-Heine-Straße ist eine der quirligsten und interessantesten im westlichen Stadtgebiet. Bei einer Zufallsumfrage, die ich dort kürzlich machte, bemerkte ich, dass der Namensgeber für die meisten ein bekannter Unbekannter ist. Da könnten die nicht nur lesbaren, sondern im wahrsten Sinne auch sehenswerten 54 Seiten, jetzt bei „moritzpress“ erschienen, abhelfen.

Christian von Aster, Schriftsteller, Regisseur, Drehbuchschreiber, an seiner Seite Sergej Schell als Illustrator, fabulieren, jeder auf seine Art, zwischen Architektur, Industrie und Visionen. Schon das erste Kapitel über einen schicksalhaften Schlummertrunk in „Auerbachs Keller“ berührt Goethes „Faust“ auf geheimnisvolle Art und Weise. Man bemerkt im Text die vielen Anführungszeichen, die auf wörtliche Rede hindeuten. Und obwohl diese (phantasievoll mit Alkohol angereichert) niemals so gesprochen wurde, es gibt keine Zeitzeugen, hofft man ab und an, dass es vielleicht doch so war. Das betrifft auch das Protokoll einer symbolisch gutsherrlichen Begegnung im stadtbekannten Johannapark des Jahres 1887. Was sich da auf einer Bank zwischen dem hüstelnden, alternden Heine und dem Selbstgespräche führenden Max Klinger abgespielt haben könnte, ist wunderbar erdacht und originell gezeichnet.

Fazit: Es braucht nicht immer die üblichen 300 Seiten, die über Karl Heine vor Jahren schon mal gedruckt wurden, um dieses Denkmal zum Leben zu erwecken.

„Der Pionier“ – erzählt von Christian von Aster, mit Illustrationen von Sergej Schell, ist bequem über www.moritzpress.de zu bestellen.