Volle Bäuche … leere Herzen

Der Nachwuchs-Grand Prix der 28. Leipziger Lachmesse ging nach Bremen. Von Michael Zock

Auch in diesem Jahr kam im Leipziger academixer-Keller für das Publikum erst das Vergnügen, dann die Arbeit. Deshalb wurden Kupferpfennige verteilt, die an der Garderobe, je nach Sympathie für das am Abend Gesehene, in eines der drei bereitgestellten Glasgefäße geworfen wurden. Schummeln war nicht möglich, denn jeder im Publikum erhielt nur ein Geldstück.

Aller guten Dinge waren drei: Es begann mit dem Berliner Lennart Schilgen, gefolgt vom „Duo 9.Volt Nelly“ alias Jane Mumford und Lea Whitcher aus der Schweiz, sowie Jakob Heymann aus Bremen. Die vier jungen Künstler haben noch kein Dauerabo auf deutschen Flachbildschirmen, wenn dort Kleinkunst und Kabarett angesagt sind. Das könnte sich ändern, denn alle Gefäße waren nach dem Auftritt gut gefüllt. Als ihr Inhalt gewogen wurde, hatte Jakob Heymann die Lacher im Publikum und die Freude über den originellen Preis 50.000 Cent, gestiftet von der Urkrostitzer Brauerei, auf seiner Seite.

Ein als liebes Jüngelchen getarnter böser Bube, der mit Gitarre, Klavier, Loopstation und im Schüttelreim „Harmlosigkeiten“ vorträgt: „Ich liebe Tiere, aber eins lieb ich noch vielmehr … mein Schießgewehr.“ Bei naiven Mitsingereien verabreicht er uns die Pille des Überdrusses: „Erzähl mir was Neues … ich hab’ alles schon gesehen“– „Unsere Bäuche so voll … unsere Herzen so leer.“ Widersprüchlich seine Bühnenerscheinung. Er steckt im schmalen Körper eines 14-jährigen Computerfreaks … aber wenn er aufdreht, ist seine musikalische Bühnenpräsenz, von harmlos bis gefährlich, an Gitarre und Klavier, nicht zu bremsen. Toll!

Haben Sie schon einmal versucht, gendergerechte Texte mit * und _ laut zu lesen? Jane und Lea aus der aus der Schweiz versuchten es, mal verbissen, mal ironisch. Keine billige Masche auch ihr „Feministinnen-Strick-Club“. Die Doppelbödigkeit des schrägen Auftritts der „Krawallschwestern“ verführte mich zu einem „Bravo“. Meinen Kupferpfennig hatte ich allerdings in das Glas von Jakob Heymann gesteckt und ein zweites Mal ging leider nicht.

Da hatte es der Berliner Lennart Schilgen mit seinen Songs zur Gitarre nicht leicht, aber einer muss ja letztlich auch der Dritte sein, ihn traf es. Fazit: Mit ihren unterschiedlichen Darbietungen zeigten die drei, dass sie auf dem Weg zu den Großen der Kabarettbühnen bereits ein überzeugendes Stück vorangekommen sind.

PS: Auch ihm gehörte die academixer-Bühne ein weiteres Mal: Christoph Walther. Ein Schalk mit Schlips steckte da als Moderator im Konfirmations- oder Jugendweiheanzug. Unübertroffen seine „Ablesekarten“, leicht zu erkennen als schnöde Bockwurstpappteller. Er gab überall seinen „Senf“ dazu und so allen Mitwirkenden, einschließlich Technik und Publikum, die richtige Würze. Wunderbar!