Ostrock meets Classic

Von René Lindenau

Das war ein guter Anfang für ein Wochenende, dieser 21. September in Cottbus. Mit den handelsüblichen Rockmusikern brachte Ostrock meets Classic Liedgut der DDR-Rockszene gemeinsam mit einem Sinfonieorchester auf die Bühne der Stadthalle.

Es ging an diesem Abend nicht nur um musikalische Erinnerungen an verflossene Jugendtage, sondern auch um wirklichen Musikgenuss und das verbunden mit dem Hören von lyrisch wundervoll ästhetischen, mitunter tagesaktuellen Texten. Und dies abseits der oft nur noch auf Kommerz und Sinnfreiheit ausgerichteten Musikindustrie. Geradezu folgerichtig war daher auch die Kritik an den „vielen Bekloppten“ dieser Welt. Kunst hat auch Verantwortung!

Bei allen Widrigkeiten der verflossenen DDR, ihre rockmusikalischen Adern fließen weiter, angetrieben von KARAT, den Puhdys, CITY, Silly, Renft, Ute Freudenberg oder Veronika Fischer, um nur einige zu nennen. Viele ihrer Hits wurden frisch aufgespielt – dem junggeblieben Publikum dargeboten. Es war eine Freude, in Erinnerungen zu schwelgen, es tat aber auch weh, Songs von Interpreten zu hören, deren Stimme der Tod viel zu früh genommen hatte. Gedacht sei an dieser Stelle an die unvergessene Tamara Danz und an Michael Barakowski, dessen Zeit, anders als in seinem Erfolgstitel „Zeit, die nie vergeht“, doch schon vergangen ist.

So war man „König der Welt“, erblickte „Magisches Licht“, war „Der Clown“, man stand „Am Fenster“, um später aufgefordert zu werden „Über sieben Brücken musst du gehen“. Zum Gras kauen konntest du jedoch „Auf der Wiese liegen“ und dort die „Jugendliebe“ entdecken, als „Schwanenkönig“ bist du dann geendet. Man könnte das Spiel fortsetzen …

Zu viele tolle DDR-Ostrock.Titel aus der Feder kluge Autoren und der Kehle stimmlich gut ausgebildeter Musiker, was in Zeiten von DSDS heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist, mussten ungehört bleiben. Zu groß war das Angebot, anders das der damaligen Ladenregale. So war nach mehreren Zugaben nach gut drei Stunden Schluss. Der Dirigent senkte seinen Taktstock zum letzten Mal. Mit ihm verstummten auch die klassischen Rockinstrumente.

Nach einem der ungesungen gebliebenen Lieder „Was bleibt“ von „Stern Meissen“ ließe sich sagen: „Viel zu schnell verging die Zeit“. So war es eine wunderschöne Zeitreise, für die man sich gern ein Ticket gekauft hat, jedoch die Uhr ebenso gern etwas zurück gestellt hätte.