Kein Leben ohne den Wald – doch er ist bedroht!

Von Siegfried Jahn, Forstmeister a. D.

Mit großer Sorge beobachten große Teile der Bevölkerung die gegenwärtige Entwicklung bei der Inanspruchnahme von Waldflächen. Wie jetzt bekannt wurde, wird unsere Erde bis 2050 einen Waldverlust von 230 Millionen Hektar zu beklagen haben. Das entspricht der siebenfachen Größe Deutschlands. Es ist dringend notwendig, die Übernutzung und Abholzung sofort zu stoppen. Dies setzt aber voraus, unseren oft überzogenen Konsum und die Verschwendungssucht einzudämmen. Es muss daran erinnert werden, dass unser Wald der wichtigste nachwachsende Naturschatz ist. Er bietet Lebensraum für die Artenvielfalt, er vorsorgt uns mit sauberer Luft, dient der Verbesserung der Bodenqualität und vorsorgt uns auch mit Trinkwasser. Viele Menschen finden im Wald Erholung und Arbeit – um nur einige Funktionen des Waldes zu nennen. Wald ist unsere Lebensgrundlage – die Photosynthese sichert den Grundvorgang alles Lebens.

Unsere Erde verliert pro Minute Wald in der Größenordnung von 35 Fußballfeldern. 3,9 Milliarden Hektar Wald gibt es noch auf unserer Erde – den wir schützen und für kommendes Leben erhalten müssen. In der EU gibt es 160 Millionen Hektar Wald. Davon hat Deutschland laut Waldinventur 11,075 Millionen Hektar Wald zur Bewirtschaftung und Erholung zur Verfügung. Davon sind 59 Prozent Nadelhölzer, 41 Prozent Laubmischwälder, ein Prozent ist als geschützte Wildnis ausgegliedert. Das waldreichste Land der Erde ist Russland, ein Viertel aller Wälder sind hier in Fläche. Als größte zusammenhängende Waldfläche der Erde ist das Waldgebiet in Sibirien ausgeschieden.

Pro Jahr wurden weltweit etwa13 Millionen Hektar Wald abgeholzt. Seit 1960 wurden Tropenwälder in der Größe von halb Europa vernichtet, in Summe 645 Millionen Hektar. In Deutschland werden der land- und forstlichen Nutzung täglich ca. 70 Hektar durch Versiegelung entzogen. Den größten Anteil hat das Bundesland Bayern mit täglich 13 Hektar. In diesen 70 Hektar sind nicht die ständige Verbreiterung der Waldwege und die Arbeitsschneisen für den Harvester eingerechnet. Dieser Entzug beläuft sich auf 15-20 Prozent der Waldfläche.

Aber als Folge des Klimawandels werden in Zentral-, Ost- und Westeuropa zunehmend größere Laubholzanteile gepflanzt. Natürlich wird dann ein geringerer wirtschaftlicher Ertrag zu erwarten sein. Ein Team von Forstwissenschaftlern, u. a. auch Herr Prof. Dr. Marc Hanewinzel, schätzen ein, dass aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedeutung der verschiedenen Baumarten auch eine gravierende Konsequenz für die Forstwirtschaft eintritt. Die wirtschaftlichen Verluste werden zwischen 20 und 50 Prozent liegen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die langsam wachsenden Laubhölzer binden weniger Kohlenstoff und das bringt zusätzliche Umweltprobleme. Das im Jahr 2010 weltweit eingeschlagene Holz hatte einen Wert von ca. 77 Milliarden Euro. Weitere Waldprodukte hatten 2010 einen Wert von 15 Milliarden Euro, wobei hier nicht alles aus dem Privatwald erfasst ist.

Noch eine Anmerkunq, die man wissen sollte: Der älteste Baum der Welt ist eine 9.550 Jahre alte Fichte im schwedischen Dalarna. Der höchste Baum der Erde ist ein Mammutbaum mit 115,5 Meter – er steht im kalifornischen Redwood Nationalpark. Der dickste Baum mit 14,05 Meter Durchmesser steht in Mexiko – in Santa Maria del Tule.