Gemeinsam für den Frieden

Vor 75 Jahren wurden auf der Teheraner Konferenz die Weichen für die Zerschlagung Hitlerdeutschlands gestellt. Winfried Steffen blickt zurück

In der Zeit vom 28. November bis 1. Dezember 1943 kam es in Teheran zum ersten Zusammentreffen der Regierungschefs Großbritanniens, der Sowjetunion und der USA. In der iranischen Hauptstadt und dem umliegenden Gebiet waren ab Mitte 1941 sowjetische und britische Truppen stationiert und somit wurde dem faschistischen Deutschland eine mögliche Angriffsbasis genommen.

Ende 1943 war der Ausgang des Zweiten Weltkrieges längst entschieden. Nach Stalingrad und der Schlacht im Kursker Bogen im Sommer 1943 war der deutschen Wehrnacht das Rückgrat gebrochen. Rommels Afrikakorps existierte nicht mehr. Die westlichen Alliierten rückten in Italien vor. Deutschland lag zunehmend im anglo-amerikanischen Bombenhagel. Doch noch waren Westeuropa, Norwegen und Dänemark sowie die Balkanländer von der deutschen Wehrmacht okkupiert.

Der wichtigste Tagesordnungspunkt der Teheraner Konferenz war die Eröffnung der zweiten Front in Westeuropa. Auf Drängen der sowjetischen Delegation, unterstützt von den amerikanischen Teilnehmern unter Leitung von US-Präsident Roosevelt, wurden die Vorbehalte der von Premierminister Churchill geleiteten britischen Vertreter gegen eine Landung anglo-amerikanischer Verbände in Frankreich gebrochen und für Mai 1944 terminiert. Die Sowjetunion verpflichtete sich, die Landungsoperationen der Alliierten durch eine Entlastungsoffensive an der sowjetisch-deutschen Front wirksam zu unterstützen. Am 6. Juni 1944 ist diese Invasion erfolgt. J. W. Stalin erklärte namens der Sowjetregierung die Bereitschaft, sechs Monate nach Beendigung des Krieges in Europa die Kampfhandlungen gegen Japan zu eröffnen.

Die Konferenz beriet ferner die polnische und die deutsche Frage. Stalin schlug eine „Westverschiebung“ Polens vor. Die polnische Ostgrenze sollte die sogenannte Curzon-Linie sein; diese war 1921 zwischen Russland und Polen festgelegt worden. Die polnische Westgrenze sollte an der Oder verlaufen. Daraus wurde die Oder-Neiße-Grenze. Diese „Westverschiebung“ Polens wurde westlicherseits wohlwollend aufgenommen. Man einigte sich, Deutschland gemeinsam zu besetzen. Die sowjetische Seite lehnte eine Zerstückelung Deutschlands ab. Die genaue Aufteilung in Besatzungszonen und von Sektoren in Berlin wurde im September 1944 vorgenommen.

Die Teheraner Konferenz erörterte Möglichkeiten zur Schaffung einer Weltorganisation, die auf den Prinzipien der Deklaration der Vereinten Nationen vom 1. Januar 1942 beruhen sollte. Die Konferenz endete mit der Unterzeichnung der geheimen „Militärischen Schlussfolgerungen“ und einer zur Veröffentlichung bestimmten Erklärung. In dieser betonen die drei Großmächte, dass sie ihre Pläne zur Vernichtung der Streitkräfte Hitlerdeutschlands abgestimmt hätten. Sie verkündeten ihre Bereitschaft, in der Nachkriegszeit bei der Erhaltung des Friedens zusammenzuarbeiten.