Glauchau bewirbt sich um den Titel „Fairtrade-Town“

Schon im Januar fand die erste Informationsveranstaltung zur „Fairtrade-Town“-Kampagne in Glauchau statt, welche vom Oberbürgermeister, einem Vertreter der Freien Wähler, einem Vertreter der CDU, der Wirtschaftsförderung, VertreterInnen aus Kirchen, einer Schule, der örtlichen Presse sowie interessierten BürgerInnen angenommen wurde. Damals hatte die Stadtratsfraktion DIE LINKE eingeladen, um das Projekt vorzustellen und Unterstützung für eine Etablierung des Titels in der Stadt zu gewinnen.

Die Referentin Urte Grauwinkel aus Leipzig stellte zunächst die Kampagne vor und berichtete von anderen deutschen Städten, welche bereits „Fairtrade-Towns“ sind oder sich in der Gründungsphase befinden. Der faire Handel und nachhaltiger Konsum sind Themen, die zunehmend an Bedeutung gewinnen und Städte und Gemeinden spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung. „Fairtrade-Town“ ist ein Titel, der Städten und Gemeinden verliehen wird, die sich besonders für den fairen Handel einsetzen. Die internationale Kampagne hat sich in Deutschland als echtes Erfolgsmodell etabliert. Seit dem Start 2009 gibt es in Deutschland bereits über 500 Fair-Handel-Städte. In Sachsen sind das Dresden, Freiberg, Markkleeberg und Leipzig. Chemnitz ist derzeit noch in der Gründungsphase. Die „Fairtrade-Stadt“ ist ein sichtbares Zeichen, das sowohl im Tourismusbereich als auch in der Öffentlichkeitswirkung einen großen Vorteil für Glauchau erzielen kann. Es ist ein öffentliches Bekenntnis der Stadt, sich für den fairen Handel einzusetzen.

Am 31. Mai 2018 brachte die Stadtratsfraktion DIE LINKE einen Ratsbeschluss zur „Fairtrade-Town“-Kampagne ein, welcher mit einer knappen Mehrheit im Stadtrat angenommen wurde. Die positiven Auswirkungen auch für Glauchau erläuterten die Stadträte in ihrer Begründung. Sie vertreten den Standpunkt, dass die Entscheidung aus humanitären Gründen richtig ist und die Stadt somit die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ergreifen kann, um Produzentinnen und Produzenten ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Interessant hierbei ist auch die bis zu 90 Prozent förderfähige Stelle „Koordinierung kommunaler Entwicklungspolitik“.

Um den Titel „Fairtrade-Town Glauchau“ zu erhalten, müssen folgende Kriterien erfüllt werden:

  1. Es liegt ein Beschluss der Kommune vor, dass bei allen Sitzungen der Ausschüsse und des Rates sowie im Oberbürgermeisterbüro Fairtrade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus Fairen Handel verwendet wird. Es wird beschlossen, als Stadt den Titel „Fairtrade Stadt“ anzustreben.
  2. Gründung einer Steuerungsgruppe bestehend aus mindestens drei Personen der Bereiche Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, welche Aktivitäten vor Ort koordinieren.
  3. Mindestens fünf örtliche Geschäfte sowie drei Gastronomiebetriebe, die gesiegelte Produkte aus fairem Handel anbieten.
  4. Durchführung von Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ in mindestens einer Schule, einem Verein sowie einer Kirche in Glauchau.
  5. Die örtlichen Medien berichten über die Aktivitäten auf dem Weg zur „Fairtrade-Stadt“.

Die Fraktion DIE LINKE freut sich über die Entscheidung des Stadtrates und wird nun aktiv daran arbeiten, dass der faire Handel verstärkt einen Platz in Glauchau hat.

Es gibt derzeit ca. 800 Millionen Hungernde weltweit, davon 70 Prozent Klein- und Kleinstbauern. Alle drei Sekunden stirbt ein Mensch an Hunger, es gibt 72 Millionen Kinderarbeiter weltweit, darunter sind 19 Millionen jünger als 11 Jahre. Die Zahlen sprechen ihre eigene Sprache. Die Fairtrade-Bemühungen sind in den 50er Jahren im christlich-demokratischen Umfeld entstanden und die Existenzgrundlage fairen Handelns ist heute mehr denn je gegeben. Aber ist der faire Handel ein wirksames Instrument, um Fluchtursachen zu bekämpfen? Dabei ist klar zu stellen, dass die kriegerischen Ursachen für aktuelle Flüchtlingsbewegungen nicht im Fokus des Fairen Handels liegen können. Allerdings fliehen viele der so genannten Wirtschaftsflüchtlinge vor den katastrophalen Auswirkungen des derzeitigen Weltwirtschaftssystems, die ihnen schlichtweg keine Alternative lassen. Hier setzt die Fairtrade-Bemühung an. Denn diese zielt darauf ab, menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen weltweit zu schaffen bzw. diese zu verbessern, damit Menschen in ihrer Heimat ein Auskommen haben, das es ihnen ermöglicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.