Vor 70 Jahren verstorben: August Thalheimer

Von Prof. Dr. Kurt Schneider

Geboren am 18. März 1884 in Affaltrach (Württemberg) als Sohn eines jüdischen Kaufmanns, war August Thalheimer der wichtigste theoretische Kopf der KPD und danach der KPD (O). Von 1902 bis 1907 hatte er an mehreren Universitäten Sprachwissenschaften und Völkerkunde studiert und 1907 promoviert. Anschließend studierte er bis 1909 Philosophie und Ökonomie an der Universität Berlin.

Thalheimer, der 1904 der SPD beigetreten war, wurde nach einem Volontariat, das er auf Empfehlung von Rosa Luxemburg an der „Leipziger Volkszeitung“ absolviert hatte, 1909 Chefredakteur der Göppinger „Freien Volkszeitung“, aus deren Redaktion er 1912 wegen Zusammenlegung mit revisionisten Zeitungen austrat.

Eng befreundet mit Clara Zetkin, Friedrich Westmeyer, Rosa Luxemburrg, Franz Mehring, Karl Liebknecht u.a., gehörte er mit Kriegsausbruch zur „Gruppe Internationale“ und nahm an der 1. Reichskonferenz der Linken im Januar 1916 in Berlin teil. 1914-1916 leitete er als Chefredakteuer das Braunschweiger SPD-Organ „Volksfreund“. Im Mai 1916 zum Militärdienst eingezogen, kehrte er, verwundet an der Front, im Herbst 1918 nach Stuttgart zurück. Er übersiedelte nach Berlin, wurde Mitbegründer der Spartakusgruppe und nahm am Gründungsparteitag der KPD teil, in deren Zentrale er gewählt wurde. Für die theoretische Arbeit der Partei zuständig, übernahm er die Chefredaktion der „Roten Fahne“ und des theoretischen Organs „Internationale“. Er verfasste den Entwurf des Programms der KPD, war federführend an der Ausarbeitung der Einheitsfronttaktik beteiligt, entwarf das Agrarprogramm der Partei und begann mit ersten Arbeiten zur Faschismusanalyse.

Im Zuge heftigster innerparteilicher Auseinandersetzungen zu Fragen der Strategie und Taktik, ausgelöst durch die ultralinke Offensivtheorie, wurde Thalheimer, einer ihrer Begründer, in Deutschland von der Polizei steckbrieflich gesucht, weil er zum bewaffneten Kampf aufgerufen hatte. Bereits seit Ende 1923 in der Sowjetunion lebend, wurde er am 19. Februar 1924 vom Zentralausschuss der KPD aus ihrer Zentrale abgerufen. In Moskau war Thalheimer Professor für Philosophie an der Sun-Yat-sen-Universität, arbeitete am Marx-Engels-Institut, war Mitglied der KPdSU und der Programmkommission der Komitern und publizierte zahlreiche theoretische Arbeiten. Im Mai 1928 gelang ihm die Rückkehr nach Berlin. Nachdem er Ende 1928 zu den Mitbegründern der KPD (O) gehörte und an führender Stelle mitarbeitete, so als Herausgeber ihrer Wochenschrift „Gegen den Strom“, wurde er im Januar 1929 aus der KPdSU und der Komitern ausgeschlossen.

1933 musste er emigrieren. Von Paris aus nahm er Führungsaufgaben der KPD (O) wahr. Zu Beginn des Krieges war er nacheinander in etwa zehn Lagern interniert. 1941 konnte er nach Kuba emigrieren. Nach Kriegsende scheiterten die intensiven Bemühungen um die Rückreiseerlaubnis nach Westdeutschland an der Ablehnung der alliierten Militärbehörden. Er, der antifaschistische Emigrant aus Deutschland, war unerwünscht im westdeutschen Nachkriegsdeutschland. August Thalheim verstarb am 19. September 1948 in Havanna.

Der Beitrag stützt sich auf Daten von Theodor Bergmann in „Gegen den Strom“, VSA-Verlag, Hamburg 2001.