Ursachen benennen!

Von Antje Feiks

Chemnitz sitzt allen noch in den Knochen. Wieder ein Schreck, der aus Sachsen durch die Bundesrepublik geht, der sich einreiht in die und doch wieder heraussticht aus der Kette an Ereignissen. Entsetzen. Und sofort auch reflexartige Reaktionen. Rechte schlachten den, so wird betont, „Tod eines Deutschen“ aus. Mitte-links reagiert mit Demonstrationen, Künstler*innen organisieren ein Konzert, welches glücklicherweise 65.000 auf die Straße holt. Wir LINKE reagieren richtigerweise antifaschistisch.

Allerdings liegt die Ursache dafür, dass anders aussehende Menschen durch eine Stadt gejagt werden, tiefer. Die Abgrenzung des Sächsisch- und des Deutsch-Seins wurde durch die Regierenden hierzulande zelebriert. Deutsche zuerst ist das Ergebnis. Dass ohne Zuwanderung niemand auch nur ein Quäntchen mehr soziale Sicherheit hätte, gerät gesellschaftlich ins Hintertreffen.

Rücktrittsforderungen scheinen absurd, weil es in der Tat nur noch schlimmer kommen kann. Deshalb reicht es nicht, wenn wir antifaschistisch reagieren, wir müssen Ursachen benennen: Sozialabbau, Niedriglöhne, Abbau von Infrastruktur, von Verwaltungsnähe über Jahre hinweg, Selektion innerhalb der Gesellschaft, Demütigung von Menschen, z. B. durch Hartz IV. Die „Mutter aller Probleme“ heißt Kapitalismus. Das zu benennen ist unsere Aufgabe. Ganz nebenbei gilt es Bündnisse zu schmieden mit allen, die ein anderes Sachsen wollen. Ohne die Nase zu rümpfen, weil die Partner*innen möglicherweise keine Lupenreinen sind. Jede Partnerschaft für ein (welt)offenes Sachsen muss genutzt, gepflegt, ausgebaut werden, damit Sachsen nicht in blaubraun erstickt.