Solidarität mit Halberg-Guss in Leipzig zahlt sich aus

Von Sören Pellmann

Es begann Mitte Juni wie ein unerträgliches und skandalöses Lehrstück aus dem kapitalistischen Tollhaus. Mit brutaler Rücksichtslosigkeit eröffnete der Autozulieferer Prevent auf dem Rücken der 700 Beschäftigten von Halberg-Guss in Leipzig mit dem Wolfsburger Automobilginanten VW den Kampf um noch höhere Profite. Anfang 2018 hatte das Bundeskartellamt dem Kauf der Saarbrücker Gießerei-Gruppe Neue Halberg-Guss (NHG) durch den deutsch-bosnischen Zulieferer Prevent zugestimmt und so den Weg für diesen Machtkampf frei gemacht. Als Prevent mit seinen überhöhten Forderungen zu scheitern drohte, kündigte man Mitte Juni kurzerhand die Schließung des traditionsreichen Werkes im Leipziger Westen für Ende 2019 an.

Diese Rechnung wurde aber ohne die Belegschaft gemacht, die kurzerhand in den Ausstand trat. Wenige Tage nach Beginn des Streiks besuchte ich erstmals den Betrieb, um mich über die aktuelle Lage zu informieren und die solidarischen Grüße der Bundestagsfraktion sowie der Leipziger LINKEN zu überbringen. Im Gespräch mit den Beschäftigten und der Streikleitung – darunter mit dem Betriebsratsvorsitzenden Thomas Jürs und dem Leipziger IG-Metall-Chef Bernd Kruppa – erfuhr ich sehr viel Neues über die Hintergründe des Konflikts. Ich war zugleich sehr beeindruckt von der kämpferischen Geschlossenheit und Disziplin der Beschäftigten, die sich nicht vom Eigentümer provozieren ließen. Die LINKE stand von Anfang an fest an der Seite der Streikenden und unterstützte sie nach Kräften; bei einem späteren Besuch übergab ich gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Leipziger Stadtverbandes Kay Kamieth eine Spende in Höhe von 500 Euro, die mit viel Beifall aufgenommen wurde.

Der unbefristete Streik erhielt schnell bundesweite Aufmerksamkeit, deshalb reichte ich Ende Juni eine schriftliche Anfrage an die Bundesregierung ein, um Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) endlich aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken. Dessen kraftlose Reaktion war allerdings ein Armutszeugnis für die Bundespolitik.

In den folgenden Wochen fanden in Frankfurt/Main harte Verhandlungen zwischen der IG Metall und Prevent statt, die mehrmals völlig ergebnislos endeten. Dann am 22. August der Paukenschlag bzw. eine komplette Kehrtwende: Das Unternehmen rückte von seinen Schließungsplänen ab und ist nunmehr bereit, über ein Fortführungskonzept zu verhandeln. Sicher ist es zum Jubeln noch zu früh, aber dieser erste Erfolg zeigt, dass sich der wochenlange mutige Streik, die kämpferische Haltung der Belegschaft und die vielfache Solidarität durchaus gelohnt haben. Eine Fortführung des Werkes wäre nicht nur wichtig für die Beschäftigten, sondern auch für den Erhalt des Industriestandortes Leipzig.