„Es muss mehr Bier eingekühlt werden“

Luise Neuhaus-Wartenberg, Sprecherin der Landtags-LINKEN für Handwerk, Mittelstand und Tourismus, war im August wieder einmal auf Tour

Kaum das Motto ausgesprochen, schon auf Tour: Angesichts der Hitze mehr als angemessen! Es standen Besuche bei kleinen Brauereien auf dem Plan. Weitere Gespräche hatte ich mit Süßwarenherstellern und mit Unternehmen, die Liköre nach ganz alter Tradition produzieren. Mehr als zwei Dutzend Termine durch das ganze Land Sachsen, vom östlichsten Zipfel Görlitz über Nordwestsachsen bis ins Vogtland.

Natürlich ging es mir nicht nur um die Gaumenfreuden. Ich wollte wissen, mit welchen Problemen sich die ganz kleinen Betriebe in dieser Branche herumschlagen. Immer wieder hörte ich Kritik an der Sächsischen Aufbaubank (SAB), die die Unternehmen bei der Beratung im Regen stehen lässt, etwa bei der Antragstellung eher hinderlich als hilfreich ist. Gerade für die Kleinstunternehmen und Soloselbstständigen ist es praktisch unmöglich, sich durch den Dschungel an Förderprogrammen zu wühlen. Hier tuen Verringerung wie Vereinfachung dringend not. Ein weiteres Problem sind Zumutungen, mit denen die Jobcenter Selbstständigen in der Gründungsphase auf den Füßen stehen, indem sie von ihnen noch in der Bewilligungsphase des Gründungszuschusses Utopisches fordern. „So fördert man kein Unternehmertum, es ist besser, wenn Leute wie wir flunkern anstatt ehrlich zu sagen, was ist und was realistisch sein wird“ sagte mir eine Brauerin in Görlitz. Ähnliches bei den Handelsketten: Die drückten so sehr die Preise, dass bereits einige kleine Brauereien aufgeben mussten. Und, wie mir eine Likörmacherin im Vogtland erzählte, sogar die Listung lassen sie sich bezahlen.

Da nehmen die Betriebe den Vertrieb eben in die eigenen Hände und transportieren ihre Getränke schon mal mit dem Handwagen zu einer nahegelegenen Gaststätte. Wichtig sind ihnen vor allem die Originalität und Qualität ihrer Produkte, ökologisch erzeugte Grundstoffe und Ressourcen sparende Verfahren. Sicher wollen sie von ihrer Unternehmung leben können, aber das Geldverdienen steht erst an zweiter Stelle. „Wir sollen immer nur wachsen, wachsen, wachsen“; „Geht es denn nicht, dass wir kleine Brötchen backen oder eben kleine Flaschen brauen?“ Sie wollen das tun, was sie gut können. Und es geht um Kooperation. „Zusammenarbeit ohne Ellenbogen, das muss doch möglich sein.“

Mit dieser Einstellung zu ihren Betrieben und mit der Exklusivität und Originalität ihrer Produkte tragen sie zu einem positiven Lebensgefühl und zum Charme ihrer Stadt oder ihrer Region bei. Umgekehrt, oder sagen wir mal, Hand in Hand muss es gerade in ländlichen Regionen gehen, damit Menschen, ob abhängig beschäftigt oder selbstständig, bleiben und kommen wollen. Und hier ist besonders die Politik gefragt. Kurzum, es geht um Lebensqualität. Ich habe auf meiner Tour wieder einmal wichtige Einblicke gewinnen können, wie Kleinbetriebe so ticken. Auch das steht unserer Partei gut zu Gesicht.