Ein Kohleausstieg mit sozialer Perspektive

Von Dietmar Gutsche

In Sicherung der langfristigen Klimaschutzziele der BRD, als Beitrag zum weltweiten Klimaschutz, ist es erforderlich, die Kohleverstromung auch in unserem Lande schrittweise einzustellen. Vorrangig gilt es hierbei die erforderlichen wirtschafts- und menschlichen Voraussetzungen für die betreffende Region und heutige wie zukünftige Generationen zu schaffen.

Dies erinnert mich daran, dass vor 51 Jahren auf der Grundlage eines Beschlusses der Regierung der DDR beschlossen wurde, die Steinkohleförderung in Oelsnitz/Erzgebirge und Zwickau bis 1970 schrittweise einzustellen. In Oelsnitz betraf es vorrangig die Betriebsabteilungen „Deutschland“ und „Karl Liebknecht“. Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt als Hauer auf dem „Deutschland-Schacht“ tätig. Uns Kumpels im Lugau-Oelsnitzer Revier war bekannt, dass die Lagerstätten der Steinkohle immer geringer wurden und deren Abbau sich vorwiegend nur noch in den Restpfeilern bewegte. Auch die Bedingungen zum Abbau der Steinkohle wurden immer aufwändiger, komplizierter und finanziell nicht mehr tragbar.

In Umsetzung der Verfügung 11/67 der damaligen Regierung galt es, kurzfristig Maßnahmen einzuleiten, um innerhalb von drei Jahren die Steinkohlenproduktion in Oelsnitz/Erzgebirge zu beenden. Gleichzeitig galt es, uns 5.890 betroffenen Bergarbeitern des Unter- und Übertagesbereiches durch Umschulung in und außerhalb des Kreises Stollberg eine neue berufliche Perspektive zu geben. Für die Aufnahme der umgeschulten Bergleute waren 16 Betriebe im Territorium des ehemaligen Kreis Stollberg vorgesehen. Darunter entstanden auf den Gelände des Karl-Liebknecht-Schachtes und des Albert-Funk-Schachtes Oelsnitz/Erzgebirge sechs neue Betriebsteile – darunter solche Nachfolgebetriebe wie „Robotron“, „Plattenwerk“, „Sinterwerk“, „Heizkraftwerk“, „Produktionsbereich 2“ des Bau-und Montagebetrieb Süd/Zwickau und „Baumechanik“. In weiteren neun Betrieben konnten innerhalb unseres Kreises die Bergleute ihre neue Tätigkeit aufnehmen. Damit war eine wichtige Voraussetzung zur Aufnahme unser beruflich umgeschulten Kumpel und der Wirtschaftsentwicklung des Kreises Stollberg, nach der Steinkohle, geschaffen.

Als beispielgebend möchte ich, auch aus persönlichem Erleben, die zahlreichen geduldigen und persönlichen Gespräche zwischen den Verantwortlichen der Betriebsleitung und den betreffenden Bergleuten hervorheben. Gerade diese Gespräche halfen, wenn sie auch teilweise schmerzhaft waren, die aktuelle Situation deutlicher herauszustellen und für den Einzelnen, nach Klärung vieler Fragen, eine beiderseits abgestimmte neue Perspektive zu beschreiten. Hauptfragen in den Gesprächen betrafen zum Beispiel Themen wie die Wahl des Berufes und den Ort des neuen Betriebes, die weitere Sicherung der Bergbaujahre- und der zukünftigen Bergbaurente sowie einer möglichen perspektivischen Weiterentwicklung in den Nachfolgebetrieben. Ich selbst erlernte den Beruf eines Betonfacharbeiters und qualifizierte mich zum Meister für Hochbau.

Wen die Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Sachsen sowie die wirtschaftlich notwendige Fördereinstellung und Umprofilierung interessieren, dem empfehle ich den Besuch des Bergbaumuseum im ehemaligen Karl-Liebknecht-Schacht in Oelsnitz/Erzgebirge.