Zurück zu den Wurzeln!

Zum 20. Todestag von Gerhard Gundermann. Von Heinrich Ruynat

Sieben Tage vor dem 21. Juni 1998 zog der Dichtersänger beim Konzert im Kraus noch einmal Bilanz, ahnungslos, was ihm bevorstand. Doch unbedingt wissend, worauf es zukünftig ankommen würde, zum Beispiel: „Auch im Leben eines Mannes gibt es eine Art Sommersonnenwende. Es ist sein 42. Geburtstag. Der Mann hat seinen höchsten Punkt erreicht, er weiß, höher hinaus wird es nicht mehr gehen und er scheint am Zenit zu verweilen und zu überlegen. An diesem Punkt, mit der besten Übersicht, ist ein Blick zurück manchmal der bessere Blick nach vorn.“

Gleich nach dem Tode Gundermanns 1998 wurde der Verein „Gundermann Seilschaft“ gegründet, der Enthusiasten und Fans aus ganz Deutschland vereint. Jährlich zweimal finden Partys in Hoyerswerda in der Kulturfabrik (KuFa) statt, zu „Gundis“ Geburtstag im Februar und zum Todestag im Juni. Seit dem ersten Treffen wurde eine Ausstellung in der alten Kulturfabrik gezeigt, die spontan von mir gefertigt wurde und sich auf mein privates Archiv stützte. Diese Sammlung war als Wanderausstellung konzipiert und wurde insgesamt 52mal in 36 Städten und Gemeinden bei verschiedenen Anlässen in Partei-, Gewerkschafts-, Kirchen- und Vereinsräumen gezeigt. In der gesamten Bundesrepublik, in Paris, Barcelona, Rom, Lissabon, Prag, Wroclaw, Wien, Brüssel und Kopenhagen.

Anlässlich des 20. Todestages von Gundermann ist diese Ausstellung nun wieder in Hoyerswerda zu sehen. Dankenswerterweise hat unsere Lausitzer Bundestagsabgeordnete Caren Lay ihr Bürgerbüro dafür zur Verfügung gestellt. Erweitert wurde der Bestand mit zwei Dokumenten der Künstlergruppe „die 7. Brigade“ und aus den ersten Jahren des Vereins „Gundermanns Seilschaft“. Bereits jetzt besichtigten Besucher aus Berlin und Mitglieder der „7. Brigade“ aus verschiedenen Teilen Deutschlands die Ausstellung, sowie Schülerinnen und Schüler aus Hoyerswerda und Bürgerinnen und Bürger aus der ganzen Region. Geplant ist, die Ausstellung auf dem Landesparteitag Ende August ebenfalls zu zeigen, bevor sie zum LTT Tübingen wandert und zum Seilschaftstreffen im November 2018 in die Kulturfabrik Hoyerswerda zurückkehrt.

In der KuFa betreut mein Freund Pfeffi Ständer auch eine Gundermann-Sammlung. Aus deren Fundus wurde die Gundermann-Schaltzentrale entwickelt. Hoyerswerdaer, Touristen und Gundermann-Fans können sich hier mit seinem Leben und seinen Liedern beschäftigen – indem sie ihm zuhören, ihm zusehen oder über ihn Lesen. Und auch im Stadtbild wird Gundermann nun endlich gewürdigt: Am Jugendkulturhaus OSSI gibt es für die „Brigade Feuerstein“, deren bekanntestes Mitglied Gundermann war, nun eine Gedenktafel. Die Brigade war von 1978 bis 1988/89, bis zur Solokarriere von Gundermann, in dem Gebäude tätig.