Sport verbindet

Ob als sportpolitischer Sprecher oder als Stürmer im FC Bundestag – André Hahn bleibt am Ball

Die deutsche Mannschaft ist nach schwacher Leistung bei der Fußball-WM in Russland bereits ausgeschieden, die Titelverteidigung wurde verfehlt. Die politische Diskussion um diese WM und den Gastgeber lief schon länger und steigerte sich, je näher das Eröffnungsspiel in Moskau am 14. Juni heranrückte.

Genau an diesem Tag setzte BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN kurzfristig einen Antrag mit dem Titel „Fußball-WM 2018 – Menschenrechtsverletzer ins Abseits“ (DS 19/2667) auf die Tagesordnung im Bundestag, und die FDP-Fraktion legte noch einen eigenen Antrag dazu. Mehrere Seiten widmete die vom Bundestag herausgegebene Zeitschrift „Das Parlament“ diesem Thema, und auf der Titelseite prangte als Überschrift: „Kein Sekt mit Putin. Bundesregierung soll Politik Russlands deutlich kritisieren, fordert der Bundestag“. Dabei verschweigt die Redaktion das Abstimmungsergebnis. Beide Anträge erhielten nur die Zustimmung der Antragsteller, wurden also mit deutlicher Mehrheit abgelehnt!

Natürlich ist auch DIE LINKE ohne Wenn und Aber für den Schutz von Menschenrechten und die Einhaltung geschlossener internationaler Verträge wie der Schlussakte von Helsinki oder der Charta von Paris. Wir sind für die Stärkung demokratischer Strukturen, für die Freiheit einer unabhängigen medialen Berichterstattung, für die Einhaltung sozialer wie ökologischer Standards. Und wir wenden uns entschieden gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Diskriminierung wegen sexueller Orientierung sowie gegen die gerade seitens der FIFA immer weiter vorangetriebene Kommerzialisierung von sportlichen Großereignissen. Das gilt aber nicht nur für Russland, sondern für alle Länder dieser Erde.

Deshalb ist es schon befremdlich, wenn solche Anträge immer nur dann in den Bundestag eingebracht werden, wenn sie sich gegen Russland richten – so etwa zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi und nun zur Eröffnung der WM. Bei anderen Staaten war und ist die Sensibilität im Parlament offenbar deutlich weniger ausgeprägt.

Zweifellos gibt es Defizite in Russland, die auch wir kritisieren. Und natürlich ist es legitim, diese Dinge im Umfeld der WM zu thematisieren. Aber ging es den Antragstellern wirklich nur um die Sache? Seit mindestens einem Vierteljahr war bekannt, dass der Sportausschuss des Bundestags die WM in Russland in seiner Sitzung am 6. Juni diskutiert. Dort hätten die Anträge sachgerecht debattiert werden können, doch statt einer seriösen Beratung verlangten beide Fraktionen eine Sofortabstimmung.

Die Fußball-WM wie auch ähnliche Sportgroßveranstaltungen bieten Chancen für politische Entspannung, Völkerverständigung und die Begegnung von Menschen. Auch für die deutsch-russischen Beziehungen kann der Sport einen wertvollen Beitrag leisten. So hat der Deutsche Fußballverband zahlreiche Aktivitäten im Vorfeld der WM organisiert. Am symbolträchtigen 8. Mai gab es in Wolgograd ein U18-Länderspiel gegen Russland, verbunden mit gemeinsamen Kranzniederlegungen an den Gedenkstätten für die Opfer der Schlacht um Stalingrad. Im Juni fand in Sankt Petersburg ein Länderspielturnier der Nationalmannschaften aus Russland, Deutschland und Belgien im Blindenfußball statt. Das sind die Zeichen, die wir dringend brauchen.

Und am 8. Juni spielte das Fußballteam des FC Bundestag in Moskau gegen die Mannschaft der russischen Duma. Wir haben zwar mit 3:5 verloren, dennoch bleiben solche Treffen wichtig – gerade in Zeiten, in denen die Beziehungen schwierig sind.