Max Thomas: Revolutionär des 1. Weltkrieges, Bürger von Wilsdruff

Von Hermann Thomas

Als sein ältester Sohn (geb. 1919) bin ich bereits in der Heimatzeitung „Heimatspiegel“ der Bitte gefolgt, aus meinem Leben zu berichten, wobei ich zu meiner Chronik, mit Stolz auch über meinen Vater berichtet habe. Geboren wurde er 1895 als Sohn eines Arbeiters; er erlernte den Beruf eines Schlossers. In seiner Jugend war er ein guter Turner und Raffballspieler – ursprünglich aber ohne politisches Vorbild, was sich durch persönliches Erleben veränderte.

Zu Beginn des I. Weltkrieges wurde er zur Kaiserlichen Kriegsmarine eingezogen und hatte sich beim ersten Einsatz im „Himmelfahrts-Kommando“ der Minensuch-Truppe zu betätigen. Als Obermaschinisten-Maat, lernte er dann später die Genossen Albin Köbis und Max Reichspietsch auf dem Schlachtschiff „Prinz-Regent-Luitpold“ kennen, wurde in deren Soldatenrat Mitglied und mit ihnen beim Kieler Matrosenaufstand gegen diesen mörderischen Krieg aktiv. Der Aufstand wurde zerschlagen und die beiden Rädelsführer bestraft, während andere Teilnehmer mit geringeren Strafen belegt wurden. Vater konnte sich aber davonmachen.

Nach seiner Rückkehr in die Heimat, war er kurzfristig Mitglied der USPD, aus welcher er zur SPD wechselte und daselbst zum Vorsitzenden der Ortsgruppe und Vorsitzenden des Stadtplenums wurde, bis zu seiner Verhaftung 1933. Von den Nazis wurde er zweimal in „Schutzhaft“ genommen – wobei ich ihn später
um die „Ehren-Rente“ brachte, da er durch mein persönliches Betreiben zur ersten Verhaftung und, bei der zweiten, mit Hilfe meines SPD-Kompaniechefs (!), die Verwahr-Frist um 14 Tage (!) verfehlte.

Vor dem Ende des 2. Weltkrieges – ich war als Schwerverwundeter im Heimat-Lazarett – waren wir beide Mitglieder eines Aktions-Ausschusses zur Vereinigung SPD/KPD, in welchem die zu erwartende Vereinigung und künftige Funktionen in der neuen Stadtverwaltung beraten wurden. Ich sollte die künftige Polizei übernehmen, was ich mit der Begründung, ich wolle nie wieder Uniformträger sein, ablehnte. Ich wurde Preis-Kommissar des Amtsbezirkes Wilsdruff. Vater Max verweigerte den vertrauensvollen Posten des Bürgermeisters und interessierte sich für das Amt Wirtschaft als „Ernährungsminister“, der viel konsequentes Verhalten zu
verantworten hatte (zum Beispiel gab es Schlachtgenehmigungen nur nach Planerfüllung!).

Bis zu seinem Todestag, am 25.April 1951 war er in seinem Amt beispielgebend aktiv. Mir und meinem jüngeren Bruder gab er mit auf den Lebens weg: „Erst wenn links und rechts neben Euch Zufriedenheit festzustellen ist, erst dann könnt ihr an Euch selbst denken und handeln!“ Ich habe es beachtet, zumal mich noch der Spruch des sowjetischen Dichters Nikolai Ostrowski leitete: „Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben! Es wird ihm nur ein einziges Mal gegeben, und täglich soll er es so verbringen, dass er am Ende dieses Lebens von sich sagen kann: Mein Leben war sinnvoll!“ Als nun fast 100-Jähriger kann ich das.