Karl Marx, sein 200. Geburtstag und wie ich ihn erleben durfte

Von Kathleen Noack

5. Mai 2018. Chemnitz, ehemals Karl-Marx-Stadt. Der deutsche Philosoph Karl Marx ist in aller Munde. Nicht nur heute, ganz im Gegenteil, aber heute besonders. Wir feiern seinen 200. Geburtstag, direkt am Karl-Marx-Monument in der Brückenstraße, dem „Nischel“.

Ganz früh schon, gegen sieben, sind fleißige Helfer am Werk. Karl bekommt sein erstes Geburtstagsgeschenk, einen etwa 27 Meter langen bunten Schal, hergestellt in Handarbeit. Eine Aktion des Netzwerks für Integration und Zukunft. DIE LINKE ehrt Karl Marx ab 9.30 Uhr mit Redebeiträgen. Wir lauschen u. a. Susanne Schaper (MdL und Fraktionsvorsitzende im Chemnitzer Stadtrat) und Tim Detzner (Vorsitzender des Chemnitzer Stadtverbandes DIE LINKE). Mehr und mehr Menschen finden sich ein. Blumen werden niedergelegt.

Ab 10 Uhr erleben wir ein vielseitiges Bühnenprogramm: Dr. Nadja Rakowitz von der Marx-Gesellschaft, Franz Sodann mit „Marx in Soho“, die Chemnitzer Gruppe Quijote mit ihrem Programm. Die Musikschule tritt auf und das Chemnitzer Ballett. Podiumsdiskussionen finden statt mit lokalen Bundestagsabgeordneten, Wissenschaftler*innen und Wirtschaftswissenschaftler*innen und später zwischen Stefan Körzell (Mitglied des GBV des DGB) und Dr. Dietmar Bartsch (Fraktionsvorsitzender DIE LINKE. im Deutschen Bundestag).

Wir machen ein Foto mit Karl und Jenny Marx und begleiten beide zu einer kleinen Stadtführung unter dem Motto „Mit Karl und Jenny Marx durch Chemnitz“. Wir naschen Popcorn am LINKEN Infostand. Beeindruckt und bewegt bestaunen wir am Nachmittag wie die Parade der Vielfalt 9.0, anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung der Menschen mit Behinderung, die sich ihren Weg vom Hauptbahnhof bis zum Rathaus bahnt, begleitet von mitreißenden Sambaklängen der Trommelgruppe Samba Universo. Horst Wehner, Vize-Landtagspräsident und mehrfacher Deutscher Meister im Rollstuhltanz, ist einer der etwa 300 Menschen. Es ist bunt, laut, öffentlichkeitswirksam und einfach wunderbar.

Bis 18 Uhr findet ein vielfältiges Programm statt. Man schaut in zufriedene lachende Gesichter und auf unzählige bunte Luftballons, die in den blauen Frühlingshimmel steigen. Am „Nischel“ wird es langsam laut. Murmansk und Turbostaat machen ordentlich Betrieb. Das Schlusswort seines Festes kommt von Karl Marx selbst, denn eine Licht- und Tonanimation lässt den „Nischel“ sprechen.

Schon als Kind, wenn ich mit meinen Eltern am Karl-Marx-Monument vorbei fuhr, ließ ich mir erklären, was die Schrifttafel hinter dem Monument bedeutet. Ich möchte sagen DANKE an Karl Marx, der mich beeindruckt mit seinem Satz „Proletarier aller Länder vereinigt Euch!“, was damals und heute nichts anderes bedeutet als wir ohne Rassismus, Fremdenhass und Antisemitismus klarkommen und eine klassenlose Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung anstreben sollen. DANKE auch allen Organisatoren, Mitwirkenden und Helfern, die diesen Tag zu dem gemacht haben, was er war!