Vom Geld

Von Peter Porsch

Bei facebook fragte unlängst wer: „Was ist der Grund für die weltweite Abwesenheit von Frieden?“ Eine Antwort war: „Diese Regierungsform ‚Geld regiert die Welt‘ ist der Grund.“ Und sollte wer fragen, warum sich gerade diese „Regierungsform“ durchgesetzt hat, so gab es eine weitere Antwort: „Mit Frieden lässt sich schlecht Geld, und zwar sehr viel Geld schnell, ja überschnell machen!“ Wer sich also an schneller, überschneller Geldmacherei beteiligt, fragt nicht nach Herkunft des Geldes, fragt nicht danach, ob Blut daran klebt oder ob es übel riecht. Das Volk ist erfahren und weiß: „Wer alles bloß des Geldes wegen tut, wird bald des Geldes wegen alles tun.“ Nun sagt man freilich auch, „Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts“. Dem Volk kommt es wieder weise aus dem Mund, „Liebe zum Geld erzeugt die eine Hälfte der Übel in dieser Welt, Mangel an Geld die andere.“ Kurz zusammengefasst: „Geld verdirbt den Charakter“ – vielleicht nicht jedem und jeder, wohl aber so vielen, dass die Welt darunter leidet. Vor kurzem las ich von einem Wirtschaftsboss, der meinte, er bekäme die hohen Boni zu recht, weil man als Topmanager immer mit einem Bein im Knast stünde. Charakterloses Wirtschaften!

Einschlägige Experimente bringen merkwürdige Ergebnisse zutage. Da gibt man zum Beispiel verschiedenen Personen harmlose Aufgaben am Bildschirm zu lösen. Nach einer Weile kündigt man ihnen weitere Aufgaben an, die aber mit jeweils einer zweiten Person gemeinsam zu lösen sind. Bis zum Eintreffen dieser Personen bekommen die bereits anwesenden Personen als Bildschirmschoner entweder Fische oder einen Berg Geld zu sehen. Neben sie stellt man einen zweiten Stuhl für die zu erwartende Person. Und siehe da, die Menschen, die Geld zu sehen bekamen, rücken von ihrem Partner oder ihrer Partnerin ein Stück ab, etwa einen halben Meter. Jene, die Fische gesehen hatten, brauchen diese Distanz nicht und lassen ihren Stuhl einfach so stehen, wie er steht.

Aber es geht noch weiter. Für ein anderes Experiment wurden Personen aus verschiedenen Einkommensschichten ausgewählt, reiche und solche aus bescheideneren Verhältnissen kommende. Sie konnten elektronisch würfeln, der Wurf erschien auf einem Bildschirm. Was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht wussten und auch nicht sehen konnten: Bei allen wurde immer die gleiche Augenzahl erreicht. Gefragt nach ihrem Erfolg beim Würfeln waren die aus der wenig wohlhabenden Schicht aber ehrlicher als die Reichen. Letztere schummelten ihr Ergebnis nach oben. „Geld fährt auf hohen Schlitten, Armut muß zu Fuße geh’n“, lehrt uns ein altes Sprichwort.

Im Jahr 2017 gab es geschätzt, wer weiß das noch ganz genau, 31 Kriege in der Welt. Sie produzierten 65,6 Millionen Flüchtlinge – geschätzt, denn wer weiß das noch ganz genau. Der Verkauf von Kriegsgeräten belief sich auf 374,8 Milliarden US-Dollar. Ein guter Grund für die Abwesenheit von Frieden. Aber wer will das schon zugeben. Man muss andere Kriegsgründe erfinden, denn, „wo das Geld spricht, schweigt die Wahrheit“. Zur Wahrheit gehören auch 157.000 Kriegstote im Jahr 2016. Allein in Syrien starben von 2011 bis Mitte 2017 etwa 332.000 Menschen an der von Geld übertragenen „Epidemie“ Krieg. Ausgeheckt werden die „Krankheitsüberträger“ in den Labors der Staatskanzleien, Königshöfe, Präsidentenpaläste. Man nennte diese Labors auch Geheimdienste. Die wissen angeblich warum und wer. Letztlich artikulieren sich die Interessen an Geld. Gut 100 abgeschossene Raketen auf Syrien in einer Nacht, 71 davon angeblich abgefangen. Sie müssen ersetzt und verbessert werden, Angriffsraketen wie Abfangraketen, was gute Gewinne bringt. „Aus vielen Beuteln ist gut Geld zählen.“ Es sind die Beutel der Ausgebeuteten in aller Welt.

Schon der alte Cicero wusste: „nervus belli, pecunia infinita“ – „die Sehnen des Krieges, unendlich viel Geld.“ Das Gegenteil von Unendlichem ist Nichts oder etwas mehr als 3 %. Das ist die nächste Rentenerhöhung. Es bleibt noch genug Geld für sichere Anlage in Kriege übrig.