Vielfalt statt Einfalt. Für eine gleichberechtigte Sichtbarkeit und Teilhabe von LSBTTIQ* in Sachsen

Gastbeitrag von Britta Borrego für die Fachstelle der LAG Queeres Netzwerk Sachsen

„Vielfalt statt Einfalt“ titelt der von der sächsischen Staatsregierung veröffentlichte Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen und meint damit die gleichberechtigte Teilhabe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter* sowie queeren Menschen im Freistaat. Er hat viel vor – steht Sachsen doch im bundesweiten Vergleich bei der Akzeptanz von LSBTTIQ* mit an letzter Stelle: Laut Sachsenmonitor 2016 und 2017 lehnt über ein Drittel der sächsischen Bevölkerung gleichgeschlechtliche Beziehungen als unnatürlich ab.

Im Zuge der Entstehung des Landesaktionsplans wurden wir als Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Queeres Netzwerk Sachsen 2016 gegründet, um LSBTTIQ* in Sachsen eine gemeinsame Stimme zu geben, die ihre Interessen und Bedarfe vor Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft vertritt. Nach fast zwei Jahren sind wir darüber hinaus Ansprechpartnerin und Verweisexpertin nach außen, Schnittstelle für Projekte und Vorhaben nach innen.

Als Dachverband versammeln wir derzeit 16 Mitglieder – eine Zahl, mit der man zufrieden sein kann. Wir freuen uns dennoch über steten Zuwachs, auch außerhalb der „Community“. Neben der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Sachsen ist auch der ProFamilia Landesverband Sachsen Mitglied in unserem Netzwerk. Und auch jedes Fördermitglied, jede_r Spender_in ist uns herzlich willkommen. Denn finanzielle Unsicherheiten stellen das größte Risiko für unseren Fortbestand dar. Als Non-Profit-Organisation sind wir zu 100 Prozent auf Förderung und Spenden angewiesen. Die ständigen Neuverhandlungen der Fördermittel im Landeshaushalt sowie die Abhängigkeit von der politischen Gemengelage bieten keine langfristige Planungssicherheit. Hinzu kommen Wertekonservativismus, Modernisierungsängste und Rechtspopulismus, die unsere Arbeit erschweren. Euch liegen Präsenz, Sichtbarkeit und Akzeptanz von LSBTTIQ* und queeren Themen in Sachsen am Herzen? Dann unterstützt uns.

Unser Ziel ist es, die Gleichberechtigung aller Geschlechter in deren vielfältigen Lebensentwürfen über alle Generationen hinweg in Sachsen zu fördern. Dies bedeutet, Regenbogenfamilien oder -partnerschaften rechtlich und sozial gleich zu stellen und sie wirtschaftlich gleichwertig abzusichern. Es bedeutet, Geschlecht und Sexualität in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu reflektieren, um ihnen eine diskriminierungsfreie Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu ermöglichen. Gleiches gilt auch bei der Pflege und Betreuung älterer und alter Menschen, die oftmals beim Übergang in Betreuungssituationen Unsensibilität und Respektlosigkeit ihrer nicht-heterosexuellen Lebensweise gegenüber befürchten. Auch die Gesundheitsversorgung, insbesondere für lesbische und bisexuelle Frauen*, Trans* und Inter* muss verbessert werden. Als sexuelle und geschlechtliche Minderheiten entwickeln LSBTTIQ* durch gesellschaftliche Ablehnung häufiger psychische Erkrankungen oder begehen Substanzmissbrauch. Geflüchtete LSBTTIQ* beziehungsweise queere Personen mit Behinderungen sind überdurchschnittlich häufig von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen und haben meist kaum Zugang zum Arbeitsmarkt.

Insbesondere außerhalb der großen Städte in Sachsen möchten wir Strukturen für LSBTTIQ* aufbauen und unterstützen. Dafür arbeiten wir mit der kommunalen Verwaltung, mit Träger_innen der Demokratiebildung, Einrichtungen der Jugendhilfe und Erwachsenenbildung, der Wohlfahrt, Kirchen sowie Kulturträger_innen zusammen. Und wir freuen uns über Erfolge: Nicht lange ist es her, dass der CSD Pirna e. V. sein Begegnungszentrum für die Stadt und den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge eröffnet hat. In Görlitz lebt ein queeres Netzwerk wieder auf. Rainbowflashs, Ausstellungen, Sport- und Sommerfeste, Kurzfilmtouren, regionale Thementage, Vortragsreisen und Podiumsdiskussionen: Wo ihr seid, sind wir. Wir freuen uns auf euch. Respekt und Akzeptanz für vielfältige Lebensweisen ist unser Credo. Fest steht: Die Anerkennung gesellschaftlicher Vielfalt ist kein Mehraufwand. Sie schadet niemandem. Sie erweitert die Perspektive auf unser soziales Miteinander und kommt damit allen zu Gute.