Vielfalt statt Einfalt – Ein Sturm im Wasserglas?

Von Susann Schöniger

Nun ist das Bundesteilhabegesetz auch in Sachsen angekommen und man diskutiert, wie es umgesetzt werden soll. Ende Januar gab es im Landtag die Anhörung zum Entwurf des Umsetzungs-Gesetzes. Es war empörend, wie auch Jahre nach dem Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention Menschen mit Beeinträchtigungen als Kostenfaktor gesehen werden. Die AfD nahm da kein Blatt vor den Mund. Dies zeigt auch die aktuelle Anfrage der AfD-Landtagsfraktion zu den Kosten, die die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Sachsen bisher verursacht hat.

Immer noch hat Mensch das Gefühl, dass sich der Behindertenbegriff und die Sicht auf Behinderung nicht geändert haben. Die gesellschaftlichen Bedingungen, wie mangelnde Barrierefreiheit, führen dazu, dass Menschen behindert werden und nicht teilhaben können. Eine Erkrankung oder spezieller Bedarf dürfen aber nicht dazu führen!

Inklusion, genau wie Bildung, sind Investitionen in die Zukunft und nicht allein mit den aktuellen Kosten berechenbar. Zum Nulltarif gibt es Inklusion und Barrierefreiheit nicht. Dass langfristig aber auch Kosten eingespart werden, kommt bei vielen Menschen nicht in Betracht. Menschen mit Beeinträchtigungen wollen teilhaben, und wenn ihnen diese Möglichkeit gegeben wird, investieren sie auch und geben etwas zurück. Wenn Barrierefreiheit alltäglich ist, profitieren auch andere Menschen und spätere Generationen davon.

Alle Jahre wieder demonstrieren vielfältige unterschiedliche Menschen für Inklusion und Teilhabe. Dieses Jahr gab es einen geistigen Begleiter, der mit uns im Kampf für Menschenrechte und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention unterstützt hat – Karl Marx. Die Demonstration für Vielfalt fand im früheren Karl-Marx-Stadt genau zur 200. Geburtstagsfeier von Karl Marx i statt. Die Parade der Vielfalt hat mit gefeiert und war präsent – gut so!

Alle Menschen sind vielfältig und Menschen mit Beeinträchtigungen sind es auch. Einfalt macht einfältig. Ich wünsche mir, dass nächstes Jahr noch mehr Menschen für Vielfalt, Inklusion und Teilhabe streiten und sich uns anschließen. Auf geht’s, denn jeder Tag sollte ein Tag der Menschenrechte sein und eben kein Sturm im Wasserglas, der gleich wieder verebbt.