Ein wichtiger Ort der Begegnung

René Lindenau hat mit Aktiven vom Sprechcafé in Cottbus gesprochen. Ihr Projekt hat Vorbildcharakter

Wie entstand die Idee zu dem ersten Sprechcafé? Was ist das Anliegen des Sprechcafés? Wer waren die Initiatoren?

Los ging es mit dem Vorgängerprojekt, den „Ankommenspatenschaften“. In diesem Projekt des Paritätischen Brandenburgs haben wir gemerkt wie wichtig es ist, offene Begegnungsräume zu schaffen, Orte an denen sich Menschen ganz einfach treffen und austauschen können. In Berlin haben wir uns durch ein ähnliches Format inspirieren lassen und im Sommer 2016 das Sprechcafé in Sandow gestartet. Seit Anfang 2017 gibt es nun das Projekt „Begegnungen im Stadtteil“ gefördert durch die Aktion Mensch und in Trägerschaft des Paritätischen. In enger Zusammenarbeit mit der Freiwilligenagentur fördern wir den direkten Austausch zwischen Cottbuser Bürgern, egal welcher Herkunft. Ehrenamtliche, deutschsprachige Tischpaten treffen auf ausländische Studierende, geflüchtete Menschen und Migranten aus vielen Teilen der Welt.

Die Einrichtung von Sprechcafés gibt es inzwischen in drei Stadtteilen. Was könntet Ihr den Lesern und vielleicht Interessierten an verschiedenen Erfahrungen aus dieser ehrenamtlichen Arbeit als Tischpaten übermitteln?

Das Sprechcafé ist ohne Zweifel ein wichtiger Ort der Begegnung von Geflüchteten und Deutschen geworden, in dem menschliches und kulturelles Verständnis zueinander wächst. Und das funktioniert nur, wenn man miteinander, statt übereinander redet. Das schöne ist, dass es so einfach ist. Jede Woche dreimal: jeweils in Sandow, Stadtmitte und Sachsendorf-Madlow kommen interessierte Menschen zusammen. Wir sitzen in kleinen Tischgruppen zu fünft, zu sechst, trinken Kaffee, spielen Spiele, stellen Fragen, lernen Witze, helfen bei Alltagsfragen, lernen Redewendungen und Feiertage und Bräuche der verschiedenen Kulturen kennen. Das Ganze ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich. Einfach, oder?

Ende 2017 wurde euer Engagement mit dem Toleranzpreis des „Cottbuser Aufbruch“ gewürdigt. Gibt es aber noch weitere Höhepunkte oder auch Rückschläge, über die Ihr uns aus der bisherigen Zeit mit den Sprechcafés berichten wollt?

Hervorheben kann man, das wir zum Beispiel durch das ZDF und den rbb mediales Interesse erfahren haben. Aber wie wichtig und richtig das ist, darum geht es uns vorrangig nicht. Als entscheidend empfinden wir es, einen Beitrag zu leisten, damit Geflüchtete und Migranten, die zumeist aus Kriegsgebieten kamen, im besten Sinne des Wortes bei uns ankommen. Von Rückschlägen in der bisherigen Arbeit würde ich nicht sprechen, aber es ist doch immer wieder eine Herausforderung, auch genug deutsche Gesprächspartner zu begeistern. Deswegen freuen wir uns über die Gelegenheit, auch hier dafür zu werben.

Wie geht Ihr mit der aktuell angespannten Situation in der Stadt im Zusammenleben mit Geflüchteten, mit ausländischen Bürgern überhaupt, um? War es bei Euch ein Thema und wenn ja, wie?

Ja, es war ein Thema, ist ja nicht so, dass wir uns um die unschönen Themen drücken würden. So haben wir uns auch mit diesen hässlichen Vorfällen auseinandergesetzt. Den Geflüchteten, mit denen wir uns im Sprechcafé unterhalten, gingen jene Ereignisse selbst sehr nahe. Dabei fragten sie uns, was sie dagegen tun könnten, um in Zukunft mehr Miteinander und weniger vorurteilbestimmtes Denken in der Stadt zu erleben. Pauschale Verurteilungen tragen eher zur Verschärfung als zur Entschärfung von Konflikten bei – und die gibt es zweifellos. Wir laden dazu ein, sich zu begegnen. Wir stehen für einen Dialog, ein ernstes Interesse am Gegenüber, gerne mit kritischen Fragen.