Dem Prinzen vertrauen

Von Caren Lay

Man muss die Musik von Sebastian Krumbiegel, Frontmann der Leipziger Popgruppe „die Prinzen“, nicht mögen. Aber wenn es um das Engagement gegen Rechts geht, ist auf ihn Verlass. So auch in Ostritz, wo am 20. Und 21. April etwa 1.000 Neonazis ihr „Schild und Schwert Festival“ (kurz SS-Festival) abhielten. Die Prinzen und viele andere Bands sowie zahlreiche Redner*innen, darunter Martina Renner, Rico Gebhardt, Katharina König-Preuss und ich, standen unter dem Motto „Rechts rockt nicht“ auf der Bühne. Meine Botschaft war: Die Lausitz darf nicht länger das ruhige Hinterland für Nazis sein!

Mir bislang nicht bekannt war das enge Vertrauensverhältnis des eigentlich SPD-nahen Prinzen-Sängers zum CDU-Ministerpräsidenten Kretschmer. Wie viele andere Interessierte wollte natürlich auch ich wissen, was der Ministerpräsident als Schirmherr des Friedensfestes zu sagen hatte. Denn das Friedensfest passte von der Ausrichtung eher in das bisherige Schema des sächsischen Umgangs mit Nazis und ihren Veranstaltungen: möglichst „unpolitisch“ und natürlich in klarer Abgrenzung zu allem, was irgendwie links ist. Wie würde sich Kretschmer also zum linken Gegenprotest positionieren?

Nach einem kurzen, energischen Einreden des „Prinzen“ auf den MP folgte in dessen Rede ein für mich bemerkenswerter Satz. Sinngemäß sagte Kretschmer: Er habe dank Krumbiegel etwas dazu gelernt, das er bislang anders gesehen habe, nämlich dass linker Gegenprotest gegen Nazis durchaus ein wertvoller Beitrag zur Auseinandersetzung mit rechten Phänomenen sei. Er vertraue Krumbiegel da jetzt einfach mal, weil er ihn so schätze. Eine Bemerkung, die ich so von einem sächsischen Ministerpräsidenten noch nicht gehört habe.

Konkrete Auswirkungen auf die Ereignisse in Ostritz allerdings hatte das nicht. Neonazis durften sich in größeren Gruppen frei bewegen. Das Alkoholverbot wurde unter den Augen der Polizei problemlos umgegangen, indem Nazis außerhalb des Festivalgeländes ordentlich Alkohol konsumierten, um dann an der Polizei vorbei wieder zurück zu wanken. Letztere brauchten erst einen Gerichtsbeschluss, um die Verfassungswidrigkeit der vom Veranstalter und Thüringer NPD-Chef Heise ausgeteilten Ordner-Shirts festzustellen. Weiterführende Konsequenzen neben der vollzogenen Beschlagnahmung bleiben abzuwarten.

Währenddessen wurde auf der „Rechts rockt nicht“-Veranstaltung sogar das alkoholfreie Bier untersagt. Und bereits am Freitagabend überließ die Polizei die Gegenveranstaltung mit Einbruch der Dunkelheit mehr und mehr ungeschützt sich selbst – was die Anmelder auf Grund der entstehenden Sicherheitsbedenken zum vorzeitigen Abbruch der Veranstaltung veranlasste. Kommentar der Polizei: Man könne keine Fehler erkennen. Sächsische Verhältnisse eben.

Und dennoch wird von Ostritz hängen bleiben, was bei der Stippvisite der Bürgermeisterin Ausdruck fand: Vorher geprägt von einer diffusen Angst vor „linken Gewalttätern wie in Hamburg“, zeigte sie sich am Samstag doch erstaunt. Die „Linken“ wären ja ganz friedlich, alles wäre so schön bunt und entspannt. Die Mär von den „friedlich unter sich feiernden Nazis“ stimme dagegen nicht: betrunkene, provozierende und pöbelnde Nazi-Hools hätten sie dann doch eines besseren belehrt.

„Rechts rockt nicht“ hat also zu einem Umdenken bei vielen geführt. Und das, davon bin ich überzeugt, ist der wertvollste Erfolg, den dieses Wochenende hervorgebracht hat – wenn er dazu führt, dass diesen neuen Erkenntnissen nun Taten folgen. Ostritz hat gezeigt – Rechts rockt nicht! Sehr gut.