Chemnitzer Ostermarsch 2018

Von Nico Rudolph

Bei lachender Sonne konnten wir zum Höhepunkt des Ostermarsches mindestens 300-350 Menschen versammeln. Damit liegt Chemnitz vor Dresden und Leipzig und ist Landeshauptstadt des Friedens 😉 Die Zahl unserer Demonstranten steigt seit mindestens zwei Jahren, angesichts der gefährlichen Lage ein Hoffnungsschimmer. Mit Reiner Braun hatten wir einen renommierten Hauptredner gewonnen, dem es gelang, eine höchst differenzierte und realitätsnahe Einschätzung der friedenspolitischen Lage abzugeben. Langsam kann das Thema wieder Menschen mobilisieren. Es wird Zeit.

Für manche war das alles nebensächlich. Der Umstand, dass Pegida unseren Ostermarsch-Aufruf geteilt hatte, sorgte für Unmut. Gegen Lob von der falschen Seite kann man sich nicht wehren, und so fanden sich unter den reichlich 300 Friedensbewegten eben auch geschätzte 10-30 Pegidisten. Wie reagieren? Die Demonstration absagen? Dafür ist das Thema zu wichtig und ihr Anteil zu klein. Diese Leute ausschließen? Kannst du nur, wenn sie rechte Propaganda (Plakate, Flyer, Sprechchöre usw.) äußern, das haben sie aber unterlassen. Rederecht bekamen sie keines. Einer Rednerin reichte das alles nicht. Sie wollte den Ostermarsch nicht mitgehen. Doch was hätte es geändert, wenn wir alle stehen geblieben wären? Nichts, denn dadurch wären die paar Verwirrten auch nicht gegangen. Gewonnen hätten die Kriegstreiber.

Auch ich habe eine Rede gehalten. Ich begann mit einem Luxemburg-Zitat von 1913: „Solange das Kapital herrscht, werden Rüstungen und Kriege nicht aufhören“ und verwies auf das wirtschaftliche Interesse am Krieg. Antikapitalismus und Antimilitarismus sind für mich zwei Seiten einer Medaille. Hinsichtlich unserer Mobilisierung besteht aber noch Verbesserungspotential. Die einzig anwesenden Jugendgruppen waren der SDS Chemnitz und die Jusos. Die kurdische Gemeinschaft fehlte, ebenso Flüchtlingsgruppen sowie die sonst aktiveren Chemnitzer Anarchisten. Umso mehr fortschrittliche Gruppen dabei sind, umso bedeutungsloser wird Rechts! Eine große Teilnahme von Linken an Friedensdemos ist daher praktizierte antifaschistische Politik! Rechts das Thema zu überlassen heißt Rechts zu stärken. Ich möchte, dass sich viele für den Frieden engagieren, dahingehend sollte man Menschen nicht zurückweisen – aber ab dem Zeitpunkt, an dem Nationalisten und Rassisten Werbung für ihre Ideologie oder Organisationen machen, müssen sie von Friedensdemos ausgeschlossen werden. Vorher ist es, wie oben geschildert, nicht umsetzbar. (Oder gibt es da praktizierbare Vorschläge für die Chemnitzer Friedensgruppe?)

Leider sehen manche die Kollaboration mit Rechten schon dort, wo Linke und Rechte nur dieselbe Luft atmen. Da werden Zitate aus dem Sinnzusammenhang gerissen, oder Videoschnipsel müssen als Beweise herhalten, ohne persönlich mit den Genossen gesprochen zu haben. Solche Diffamierungen spalten, schwächen die LINKE insgesamt und nützen nur den Falschen: Entweder den Rechten oder den Kriegstreibern, nie aber Linken. Ich empfehle denjenigen, die so etwas machen: Redet nicht über eure Genossen, sondern mit ihnen! Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Eigentlich. Jedenfalls würden sich dann viele Verdächtigungen und Vorwürfe als bloße Hirngespinste herausstellen.

Der Liebknechtkreis Chemnitz beachtet die Sorge um eine vermeintliche Querfront. Schließlich wurde unser Namensgeber Karl Liebknecht zusammen mit Rosa Luxemburg auf Geheiß bürgerlich-prokapitalistischer Sozialdemokraten (Ebert und Noske) in deren Querfront mit den faschistischen Freikorpsverbänden ermordet. Wir haben das Thema auf dem Schirm! Aus diesem Anlass besucht uns der mehrfach diffamierte und verdiente Antifaschist Diether Dehm (MdB, DIE LINKE) am Sonnabend, den 26.5. um 14 Uhr im Chemnitzer Rothaus und spricht über linkspopulären Kampf gegen Rechts. Lasst uns miteinander statt übereinander sprechen. Ihr seid alle herzlich eingeladen.